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Von – 28. September 2016

Abgrillen im Heinrich-Kraft-Park. Ein verärgerter Nachruf

Im Heinrich-Kraft-Park werden nach dem Willen des Ortsbeirats Mitte Oktober die Feuerstellen abgerissen, und das Grillen ist dann verboten. Aus dem Park solle wieder ein Ort der Naturerfahrung und des Spielens werden, heißt es auf einer Tafel. Keine gute Idee, findet der Fechenheimer Pfarrer Wilfried Steller.

Im Heinrich Kraft Park in Fechenheim soll künftig nicht mehr gegrillt werden. Foto: Jürgen Schiller Garcia/Flickr.com cc by

Im Heinrich Kraft Park in Fechenheim soll künftig nicht mehr gegrillt werden. Foto: Jürgen Schiller Garcia/Flickr.com cc by

Das ist er jetzt auch schon, aber die Möglichkeiten zum Grillen und zum Zusammensitzen waren natürlich die eigentliche Attraktion des Parks. Wer sich keine Restauration leisten konnte oder wollte und eine ungezwungene, lauschige Atmosphäre liebte, für den war der Park eine erste Adresse – ganz ohne Moos. Kindertagesstätten, Schulklassen und andere Gruppen haben sich hier getroffen, Familien konnten ausgelassene Kindergeburtstage feiern, Freunde entspannt eine Shisha rauchen. Viele haben sich hier wohlgefühlt, nicht zuletzt Migranten und Migrantinnen; sie bildeten über weite Strecken die Mehrheit der Nutzerschaft.

Begründet wird das Grillverbot offiziell mit “wildem” Grillen außerhalb der dafür vorgesehenen Fläche und mit dem hohen Andrang und Verkehrsproblemen an warmen Wochenenden. Feinsinnig heißt es auch, der Park solle wieder ganz den Fechenheimer Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen.

Wer damit wirklich gemeint ist, bleibt unklar. Sind die Insassen von Autos mit Kennzeichen “OF” oder “MKK” in Fechenheim unerwünscht? Das kann ja kaum sein, denn in der Klassikstadt freut man sich zum Leidwesen der Anwohner über alle, die mit lautem Gedröhne von weither in den Stadtteil kommen. Wenn an Sommerwochenenden rundherum an allen möglichen und unmöglichen Stellen geparkt und der Lärmpegel im Wohngebiet unerträglich wird, schert das von den Offiziellen offenbar niemanden. Aber vielleicht ist das mit dem nur für die “Fechenheimer” reservierten Park so gemeint, dass die Anwohner in den Park gehen sollen, wenn sie vor dem Rambazamba in der Klassikstadt ihre Ruhe haben wollen?

Oder ist die Reservierung für “Fechenheimer” so zu verstehen, dass die zahlreichen Zuwanderer-Gruppen, die dort ihre Freizeit mit Grillen, Reden und Musik genießen wollen, aus dem Park “draußen” bleiben sollen wie die Hunde beim Metzger? Auch das kann ja eigentlich nicht sein, denn Frankfurt könnte es sich hoch anrechnen, im Park attraktiven Sozialraum für Zuwandererfamilien zur Verfügung zu stellen.

Bleibt noch das Geld als Grund. In der Klassikstadt kommt einiges herein, und wohl deshalb scheint Nachsicht in jeder Hinsicht angebracht. Im Kraft-Park wird die Pflege der Plätze und der Toilettenanlagen nicht durch Einnahmen gedeckt; der Park ist ein echter Service der Stadt für Bürgerinnen und Bürger. Aber dort haben Verkehrsprobleme, Geruchs- und Lärmbelästigung offenbar grundsätzlich eine nicht hinzunehmende Qualität, auch wenn sie nur an ein paar Wochenenden auftreten, während fast das ganze Jahr über einfach nur friedlich gegrillt und zusammengesessen wird. Verstehe das, wer mag.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 28. September 2016 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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