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Von – 1. November 2000

Mut zur Eindeutigkeit

Über das verständliche Reden der Christen

Predigten im Gottesdienst haben kein gutes Image: Eine gute Predigt, so heißt es, ist vor allem eine kurze Predigt. Doch das Problem besteht nicht nur auf der Kanzel, sondern überall, wo vom Glauben die Rede ist. Die kirchliche Sprache mutet oft altertümlich an, christliche Inhalte haben sich zu Formeln verdichtet, die nur schwer mit Leben gefüllt werden können. Ein Versuch, hier gegenzusteuern, ist alle zwei Jahre der Kirchentag. Hunderttausende, oft junge Christinnen und Christen suchen dann nach Antworten auf die Herausforderungen der Zeit. Denn das ist eine wichtige Frage: Wie können Christen verständlicher reden?

So unscheinbar das Thema lautet, so brisant ist doch die Formulierung. Unausgesprochen schwingt die Unterstellung mit, dass Christen unverständlich reden. Schon beginnt die Verteidiung. Wer ist denn mit „Christen“ gemeint? Da mühen sich Sonntag für Sonntag tausende Pfarrerinnen und Pfarrer, die Bibel verständlich zu machen. Da finden Woche für Woche Bibelstunden und Andachten statt, in denen Hauptamtliche und Laien redlich versuchen, klare Worte zu finden. Soll das alles etwa unverständlich sein?

Dieser Disput führt zu nichts. Hören wir doch den Christen einfach zu und fangen bei den Laien an. Wo finden wir „unstudierte“ Christen, die über ihren Glauben reden? Suchen Sie ruhig, Sie werden eine gute Weile brauchen. Es ist nicht üblich, dass man über den Glauben redet, weder verständlich noch unverständlich. Glauben gehört zum Intimbereich, ist Privatsache. Vielen fällt es heute leichter, über ihre Sexualität als über ihren Glauben zu sprechen. Allenfalls bringt man zu besonderen Anlässen ein paar fromme Worte zu Papier wie „Gott gebe Ihnen Kraft“ oder „Gott behüte Sie“. Ich stehe zu der Behauptung: Nur in kirchlichen Räumen reden Laien über ihren Glauben.

Wie ist das aber mit unseren „Schriftgelehrten“? Ohne Zweifel gibt es viele begabte Prediger, denen man jedes Wort abnimmt. Aber wir kennen natürlich auch Menschen, denen man am liebsten beim Predigen helfen würde. Doch ist das unser eigentliches Problem? Das Reden ist dem einen gegeben und dem anderen nicht. Wenn wir über das verständliche Reden der Christen nachdenken, dann geht es viel mehr um den Inhalt und nicht so sehr um die Gewandtheit der Sprache.

Sowohl die Theologen als auch die Laien müssen sich fragen lassen: Was ist denn eure Botschaft? Was habt ihr zu sagen? Steht ihr dazu? Setzt ihr diese Botschaft auch in eurem Leben um? Kann man euch zum Vorbild nehmen? Trägt eure Botschaft auch in Leid, in Krankheit und im Sterben? Gilt sie für jeden, auch für mich? Wie sicher seid ihr euch?

Dann muß geantwortet und nicht geschwiegen werden. Bohrende, ehrliche Fragen erfordern offene Antworten. Entscheidungen in Wirtschaft und Politik müssen von Christen begleitet werden, die begründen können, warum so und nicht anders zu handeln ist. Unsere Gesellschaft ist darauf angewiesen, daß die Christen sie mitgestalten. „Ihr seid das Salz der Erde“ hat es 1999 beim Kirchentag geheißen. Ihr habt Wirkung zu zeigen. Redet deutlich und verständlich!

Wie lautet nun die Botschaft der Christen, ihr Evangelium? Fragen Sie hundert Christen nach den zentralen Aussagen ihres Glaubens, dann werden Sie fünfzig – meist sehr unterschiedliche – Antworten bekommen. Aber damit Christen verständlich reden können, müssen wir uns auf eine verständliche Botschaft einigen. Ich will nicht einer Verkürzung das Wort reden, sondern Mut zu mehr Eindeutigkeit und Klarheit machen. Deshalb will ich mich bewußt auf drei Sätze aus der Bibel beschränken, mit denen man meiner Ansicht nach unseren Glauben und unsere Hoffnung beschreiben kann:

1. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – Jesus hat uns gezeigt, wie dieser Weg aussieht. Wir sollten seine Hinweise auf das Reich Gottes stärker beachten. 2. „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte“. Jesus hat uns gelehrt, dass Gott die Menschen liebt und wir zu ihm Vater sagen dürfen. Bei Gott ist Geborgenheit, im Leben und im Tod. Wer auf andere Mächte vertraut, zum Beispiel auf die Macht der Gestirne, wird deren Machtlosigkeit erfahren. 3. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Wir sind heute in der Gefahr, vor lauter Eigensucht den Nächsten aus den Augen zu verlieren.

Um Großbetriebe zu führen, wird heutzutage häufig versucht, ein Leitbild zu definieren. Solche Leitbilder müssen kurz und für alle Mitarbeiter des Unternehmens verständlich sein. Wenn wir den Mut hätten, unsere Predigten und unsere Bemühungen deutlicher an wenigen, aber zentralen Botschaften auszurichten, dann wäre die Rede der Christen verständlicher. Sie würde zu mehr Aktivität innerhalb der Kirche führen und zu stärkeren Impulsen für die Welt der Wirtschaft und der Politik.

Der Kirchentag in Frankfurt ist dann ein Erfolg, wenn uns das deutliche Reden über unseren Glauben und die daraus erwachsenden Konsequenzen gelingt. Zu diesem Dialog lade ich die Frankfurter Bevölkerung besonders herzlich ein.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. November 2000 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Martin Dolde ist Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2001 in Frankfurt vom 13. bis 17. Juni 2001 in Frankfurt.

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