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Von – 1. November 2000

Provokation im bürgerlichen Gewand

Die Wicherngemeinde im Frankfurter Nordwesten ist nicht unbedingt ein Viertel, das für Provokation steht: Siedlungshäuschen aus den dreißiger Jahren säumen die Straßen, bunte Blumenrabatten die Wege, an fast jeder Haustür hängt ein dekorativer Kranz, Nachbarinnen halten ein Schwätzchen. Viele alte Menschen leben hier, seit die Reihenhäuser nach den damals revolutionären Plänen des Frankfurter Stadtplaners Ernst May gebaut wurden. Wo der Generationenwechsel schon Platz gegriffen hat, leben Familien mit Kindern. Kein Aufbruch zu neuen Ufern. Und dennoch schaffen es Dekan Achim Knecht und Pfarrerin Ilona Klemens gemeinsam mit ihrer Gemeinde immer wieder, die Themen der Stadt in diesem auf den ersten Blick so bieder-bürgerlich anmutenden Viertel gegen den Strich zu bürsten, neue Akzente zu setzen und den Blick weit über den eigenen Kirchturm hinaus zu richten.

Rassismus und Gewalt im deutschen Alltag, zärtliche Nähe zwischen zwei Männern, das sind zum Beispiel die Themen der jüngsten Gemeindebriefe. Fremdenfeindlichkeit, Homosexualiät, Gewalt sind auch die Reizworte einer frisch entworfenen Internet-Seite, mit der die Wicherngemeinde zur Diskussion einlädt. Wer mag, kann per E-Mail die eigene Meinung kundtun und so auch virtuell ein Stück Gemeinde verwirklichen. Zur Verkündigung beitragen können die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher aber auch ganz real, wenn nach der Sonntagspredigt Zeit gegeben wird für eigene Anmerkungen. Mit einem Bündel von Maßnahmen will der Kirchenvorstand erreichen, die Zahl der Gemeindeglieder von 1450 zu stabilisieren oder sogar zu erhöhen: Besuchsdienste, Glaubensseminare und der Versuch, wieder mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die die evangelische Kirche verlassen haben, sind nur ein paar der Pläne, mit denen das ehrgeizige Projekt vorangetrieben wird.

Aber auch die traditionelle Gemeindearbeit kommt in der Pützerstraße nicht zu kurz. Im Gegenteil: Getreu den Schwerpunkten ihres Namensgebers Johann Heinrich Wichern, einem der Begründer der evangelischen Diakonie im 19. Jahrhundert, hat die Gemeinde Akzente in der Kinder- und Jugendarbeit gesetzt. Jungschargruppen, ein Jugendclub, ein „Zwergennest“ für die Jüngsten, Mini-Clubs und Familiengruppen in der angeschlossenen Kindertagesstätte, Kinderchor und Mädchentreff sowie regelmäßige Kinder- und Krabbelgottesdienste zeigen die Vielfalt der Angebote bei Wicherns. Durchaus selbstironisch-locker betrachtet sich der „Männerkranz“, eine originelle Facette der Gemeindearbeit, die Knecht und der Leiter der Kindertagesstätte, Marko Deichmann, schon vor fünf Jahren gemeinsam aus der Taufe gehoben haben. Und auch er ist, typisch für die ganze Siedlung, geprägt von „Offenheit und Nähe“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. November 2000 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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