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Von – 1. Februar 2001

Martin-Luther-Platz bald ohne Autos?

Noch rollen täglich Blechlawinen um die Lutherkirche in Bornheim. Doch auch wer sich durch die dicht an dicht parkenden Autos geschlängelt hat, fühlt sich nicht gerade willkommen in dem trutzigen Kirchbau. Eine dunkle massive Tür versperrt den Eingang. Doch all das soll sich bald ändern. Nach dem Willen der Gemeinde und des Evangelischen Regionalverbandes wird die Kirche bald umgebaut. Lichte Quader werden zu beiden Seiten des Turms die Arbeit der Gemeinde transparent machen, ein Café, von der Gemeinde in einem der Anbauten betrieben, soll die Öffnung zum Stadtteil symbolisieren. Und auch der Ortsbeirat zieht mit: Er hatte sich schon dafür stark gemacht, dass der Platz vor der Kirche, wo Schopenhauer- und Schleiermacherstraße die Burgstraße kreuzen, „Martin-Luther-Platz“ genannt wurde. Nach dem Umbau soll der Platz neu gestaltet und – von den Parkplätzen befreit – wieder ein Ort zum Wohlfühlen werden.

Noch verschandeln geparkte Autos den Martin-Luther-Platz vor der Lutherkirche in Bornheim. Das soll sich aber bald ändern. Foto: Oeser

„Einen Ort, wo sich die Leute zu Hause fühlen können“, den wollen auch Pfarrer Reiner Haberstock und seine Kollegin Susanne Habermann in ihrer Kirche schaffen. In der Konzentration auf die Lutherkirche, die nach dem Umbau auch Platz für alle Gemeindegruppen bieten wird, die sich bisher im weit entfernten Gemeindehaus treffen mussten, sehen beide die Chance, der wachsenden Anonymität im Stadtteil die Stirn zu bieten.

Denn auch wenn Bornheim als einer der beliebtesten und gemütlichsten Stadtteile der Main-Metropole gilt, das „Geschäft“ der Kirchen dort ist damit nicht leichter geworden: Knapp 3000 Frankfurter gehören zwar noch zur Luthergemeinde, doch rund die Hälfte sind junge Leute zwischen 20 und 50 – ein Alter, in dem sich die meisten kaum oder gar nicht mit der Kirche beschäftigen, wie Pfarrer Haberstock unumwunden zugibt. Mit eigenen Kindern wachse dann zwar erfahrungsgemäß wieder das Interesse an der Gemeinde, doch spätestens beim zweiten Kind ziehen viele junge Familien aus Bornheim fort. Die kleinen Wohnungen, die hohen Mietpreise, das wenige Grün sind dann oft Anlass, dem Stadtteil den Rücken zu kehren, auch wenn man den Markt auf der Berger Straße, die vielen schönen Kneipen und kleinen Geschäfte, die multikulturelle Farbe dann „draußen “ schmerzlich vermisst.

Die Pfarrerin und der Pfarrer der Luthergemeinde versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Es gibt Gesprächskreise für jüngere Gemeindemitglieder, intensive Jugendarbeit, Familiengottesdienste und Feste, ein großes kirchenmusikalisches Angebot, mit denen ein Stück Identität in der Gemeinde gestiftet werden soll. Ein neues Projekt, „Kirche & Literatur „, wurde gerade gestartet, auch angeregt von der Vermietung der Kirche an die Dramatische Bühne, die dort in den Wintermonaten große Stücke der Weltliteratur spielt. Doch die Resonanz war eher verhalten, die kulturellen Angebote in der Stadt seien wohl zu vielfältig, als dass es da für die Luthergemeinde noch eine rentable Nische gebe, meint Haberstock. Aber vielleicht bringen ja auch die Quader und das Lutherplätzchen ein neues Publikum.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2001 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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