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Von – 1. Dezember 2001

Das Wunder der Geburt

Jede Geburt ist ein Wunder – immer wieder. Wehrlos, schutzbedürftig und verletzlich wird uns ein kleines Wesen anvertraut, das wir eine Zeit lang auf seinem Weg begleiten dürfen. Zu Weihnachten wird dieses Wunder alljährlich allen Menschen neu bewusst, für die Christi Geburt ein Zeugnis von Gottes Liebe zu den Menschen ist. Doch in aufgeklärten Zeiten sind damit immer auch Fragen verbunden: Was feiern wir an Weihnachten? Warum hat Gott seinen Sohn Mensch werden lassen? Was hat es mit der Jungfräulichkeit Mariens auf sich? Antworten von Silke Peters.

Silke Peters ist Pfarrerin der Gethsemanegemeinde im Nordend. Foto: Oeser

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau…“ (Gal 4, 4a)

Wenn der Apostel Paulus schreibt: geboren… von einer Frau… dann klingt das so selbstverständlich, dass man vielleicht auf die Idee kommen könnte zu fragen, was daran überhaupt erwähnenswert ist. Denn schließlich ist jeder Mensch einmal von einer Frau geboren worden – am Anfang seines irdischen Lebens.

Selbst die fortschreitenden Entwicklungen in der Medizin betreffen bislang die Zeugung eines Menschen und können weder eine Schwangerschaft noch eine Geburt ersetzen. Diese markieren somit bis heute den Eintritt jedes menschlichen Lebens in diese Welt.

Gottes Menschwerdung stellt für diese Tatsache keine Ausnahme dar. Seine Geburt macht deutlich, dass Gott ganz und gar Mensch wird. Sein Menschsein offenbart sich nicht erst am Ende seines Lebens im Leiden und Sterben, sondern bereits am Anfang, indem seine irdische Existenz wie jede menschliche Existenz mit einer Geburt beginnt.

Jesus war ein Mensch wie wir; er hatte eine Mutter, wie alle Menschen eine haben. Aber zugleich war er mit Gott verbunden, wie kein Mensch vor ihm und nach ihm. Aus dieser Verbindung heraus hat er gelebt. Sie bestand von Anfang an als eine Verbindung der Liebe, die besagt: Gott liebt die Menschen so sehr, dass er selber einer wird. Und so feiern wir seine Geburt bis heute als „Fest der Liebe“ an Weihnachten.

Im apostolischen Glaubensbekenntnis begegnet uns die Aussage „geboren von der Jungfrau Maria“. Sie gibt bis heute Anlass zu Unverständnis und Irritationen. Ihre Wirkungsgeschichte ist eng verbunden mit der langen Tradition einer Frauen unterdrüc- kenden Sexualmoral, die innerhalb und außerhalb der Kirche keine Fortsetzungen erfahren sollte. Auch heute noch wird gelegentlich „Jungfräulichkeit“ mit „Reinheit“ und weibliche Sexualität mit Sünde gleichgesetzt. Die biblischen Quellen stellen diesen Zusammenhang allerdings nicht her, weder im Alten noch im Neuen Testament.

Die Schwangerschaft einer Jungfrau ist nach diesen Texten keine moralische Auszeichnung für eine bestimmte Frau, sondern ein Symbol für Gottes Handeln. Sie sagt somit nichts über Maria, sondern vielmehr etwas über Gott aus. Über Gott, der aus dem Nichts alles erschafft. Über Gottes Liebe, die alles Leben hervorbringt, auch dort, wo vorher nichts war und wo gegen alle menschlichen Erwartungen nichts (mehr) sein kann. Und sie besagt auch: Gott setzt Zeichen seiner Liebe. Sie sind für uns nicht planbar, machbar oder verfügbar. Sie können uns ganz unerwartet begegnen und die Gesetze dieser Welt auf den Kopf stellen, wie die Schwangerschaft einer Jungfrau.

An Weihnachten feiern wir, dass Gottes Liebe als Mensch in diese Welt kommt. In der Gestalt eines neugeborenen Kindes, wehrlos, schutzbedürftig und verletzlich. Und sie ist ansteckend, zieht andere in ihren Bann, breitet sich aus. Im Stall von Bethlehem und später im ganzen Land. Sie ergreift Menschen bis heute und erweist sich stärker als Missachtung, Hass und Gewalt. Denn mit Jesu Geburt, die wir an Weihnachten feiern, wird auch Gottes Friede für diese Welt verkündigt. Und wie seine Liebe, so ist auch sein Frieden für diese Welt angreifbar und verletzlich. Bis heute. Weihnachten kann uns die Augen öffnen für jene neuen Anfänge, die Gott schenkt, für Zeichen seiner Liebe inmitten von Gewalt und den Frieden, der über diese Welt verheißen ist:“Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1, 78 f.)

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2001 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Silke Peters ist Pfarrerin der Gethsemanegemeinde im Nordend.

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