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Von – 1. Juli 2002

„Erlogen und erstunken“

Urlaub, Ferien oder Erholungsreisen waren zur Zeit Martin Luthers fast gänzlich unbekannt. Dennoch hat Luther zumindest eine weite Reise unternommen, lange vor den Anfängen des modernen Tourismus:

Als junger Mönch des Erfurter Augustinerklosters wird er mit einem Ordensbruder im Auftrag seines Klosters nach Rom geschickt, um dort dem Papst eine Bittschrift zu überreichen. Im November 1510 brechen die beiden Mönche auf und legen den weiten Weg nach Rom, wie es die strengen Regeln ihres Ordens vorschreiben, zu Fuß zurück. Das nimmt einige Wochen in Anspruch, denn der Winter bricht an und sie müssen über die Alpen. Anfang Januar 1511 kommen sie in Rom an. Doch ihre Mission schlägt fehl, weil der Papst gar nicht in der heiligen Stadt weilt, sondern sich wegen eines Kriegszugs in Bologna befindet. Die Bittschrift der Erfurter Mönche wird im Vatikan nach mehreren Wochen abschlägig beschieden, in den Archiven heißt es dazu knapp: „Den Deutschen wird aufgrund der Gesetze verboten, sich direkt an den Papst zu wenden.“

Luther hat also genügend Zeit, seinen Aufenthalt in Rom als persönliche Wallfahrt ganz im Sinne der damaligen katholischen Frömmigkeit zu nutzen. Viel später wird er dazu schreiben: „Da ich auch so ein toller Heiliger war, lief ich durch alle Kirchen und Kluften, glaubte alles, was daselbst erlogen und erstunken ist.“

Als junger Mönch jedoch möchte Luther sich aller gebotenen Gnadenmittel versichern. Er besucht die sieben Hauptkirchen, die Katakomben und andere heilige Stätten. Rutscht betend auf Knien die Pilatustreppe hinauf, legt erneut eine Generalbeichte ab und bemüht sich, so viele Messen wie möglich zu lesen, um für sich und seine Angehörigen Ablässe zu gewinnen; „und war mir dazumal schier leid, dass mein Vater und Mutter noch lebten, denn ich hätte sie gern aus dem Fegefeuer erlöst“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2002 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Pfarrer Björn Uwe Rahlwes war lange Zeit Mitglied der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“. Danach wurde er Dozent am Religionspädagogischen Studienzentrum in Kronberg.

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