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Von – 1. Oktober 2002

Mehr Gesang, aber sonst sehr ähnlich

„Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt in unserer Geschichte“, sagt Hyun Jin Chung, Pfarrer der Koreanischen Evangelischen Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet. Seit September gehört die 200 Mitglieder starke Gemeinde zum Evangelischen Regionalverband Frankfurt, nachdem sie zuvor schon der hessen-nassauischen Landeskirche beigetreten war. Es ist die erste Gemeinde fremder Sprache und Herkunft in Hessen, die diesen Schritt vollzogen hat.

Nach dem Gottesdienst ein gemeinsames Mittagessen – wichtig für die Mitglieder der evangelischen koreanischen Gemeinde, denn sie wohnen im ganzen Rhein-Main-Gebiet verstreut. Mitte: Pfarrer Hyun Jin Chung. Foto: Dostalek

Gegründet wurde sie schon vor dreißig Jahren. Tausende von südkoreanischen Krankenschwestern und Bergarbeitern kamen damals mit Arbeitsverträgen nach Deutschland. Sie blieben, gründeten Familien und Kirchengemeinden entsprechend ihren Traditionen. Die Wurzeln der Gemeinde liegen in der presbyterianischen Kirche Koreas, aber es gab von Anfang an partnerschaftliche Beziehungen zur deutschen Kirche. Mittelpunkt des Gemeindelebens ist das Ökumenische Zentrum Christuskirche am Beethovenplatz im Westend. Dorthin kommen die Gemeindemitglieder, die verstreut über alle Stadtteile oder in der Umgebung Frankfurts wohnen, jeden Sonntag zum Gottesdienst. Wäre die Sprache nicht koreanisch, so unterschiede sich die Feier nur wenig von anderen evangelische Gottesdiensten. „Wir singen mehr“, sagt lächelnd eine Gottesdienstbesucherin. Mit großer Innigkeit und Ausdrucksstärke stimmen Chor und Gemein de mit glieder die traditionellen Kirchenlieder an und geben so dem Gottesdienst eine besondere Prägung.

Anschließend heißt es erst einmal: gemeinsam essen. Abwechselnd bereiten immer einige Familien die Speisen vor, einfache Reisgerichte mit Beilagen. Für solche Gemeindeveranstaltungen kann im ersten Stock der Christuskirche ein großer Raum mit Teeküche benutzt werden. Ein weiterer sehr kleiner Raum nimmt eine Bibliothek auf und dient auch als Gesprächszimmer. Mehr Platz hat die Gemeinde bislang nicht. Allerdings sind derzeit Planungen in Gang, wonach sie vielleicht ab Sommer nächsten Jahres in das dann frei werdende Gemeindezentrum der Versöhnungsgemeinde im Gallusviertel umziehen könnte.

Der Anteil der Gemeindemitglieder, die sich in Arbeitskreisen oder Verwaltungsgremien wie dem Ältestenrat, der Diakon-Versammlung und dem Verwaltungssauschuss enga gie ren, ist hoch. Regelmäßig trifft sich ein Bibelkreis, außerdem gibt es noch Haus-Bibelkreise, zu denen sich Familien verabreden, es gibt auch einen Seniorenkreis, eine Jugendgruppe und eine recht große Frauengruppe. „Die koreanischen Frauen sind ganz stark und selbstbewusst“, sagt Han-Na Lie, die sich in der Frauenarbeit engagiert, „wir bereiten Feste und Veranstaltungen vor, organisieren die Unterstützung für Bedürftige in Korea oder in anderen Ländern.“ Das Geschehen in der fernen und geteilten Heimat Korea wird regelmäßig in einem Korea-Ausschuss diskutiert, der Empfang von Delegationen organisiert oder über eigene Besuche in Südkorea gesprochen. Natürlich gibt es auch die traditionellen koreanischen Feste, die gemeinsam gefeiert werden, wie das Neujahrsfest oder das Vollmondfest im Spätsommer.

Pfarrer Hyun Jin Chung, der jetzt als erster Pfarrer einer ausländischen Gemeinde nach deutschem Kirchenrecht eingestellt wurde, ist nicht nur Seelsorger der Frankfurter Gemeindemitglieder. Auch in Worms und Mainz-Kastel gibt es regelmäßig koreanische Gottesdienste. Das Erntedankfest wird gemeinsam in Mainz gefeiert, Weihnachten in Frankfurt und Ostern in Worms. Pfarrer Chung jedenfalls blickt mit großer Hoffnung in die Zukunft: „Die Gemeinde wird noch weiter wachsen“, sagt er, „und sich öffnen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2002 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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