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Von – 1. Dezember 2002

Der Esel gehört an die Krippe

In der Adventszeit stehen in vielen Kirchen und auch in so manchem Wohnzimmer Krippen und erzählen die Geschichte von Jesu Geburt. Die Figuren sind bekannt: Natürlich sind da Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Draußen versammeln sich die Schafe und die Hirten und, prächtig gekleidet, meist auch die Heiligen Drei Könige. Und dann sind da noch Ochs und Esel. Aber – was macht eigentlich der Esel in der Heilsgeschichte?

Brigitte Babbe ist Mitglied der Versammlungsleitung des Frankfurter Kirchenparlamentes. Foto: Surrey

Ich habe ihn mir so sehr gewünscht: einen Schwibbogen aus dem Erzgebirge für mein Weihnachtsfenster. Doch immer war anderes wichtiger. Nicht aber in dem Jahr, in dem es mir gesundheitlich gar nicht gut ging. Da kaufte ich auf dem Römerberg einen echten Schwibbogen aus dem Erzgebirge. Ich mochte es nicht mehr aufschieben.

Das ist nun ein paar Jahre her, aber an diese erste Adventszeit mit dem ersehnten Bogen erinnere ich mich immer noch lebhaft. Jeden Tag einmal setzte ich mich davor und schaute ihn an: die Kerzen, die Krippe, Maria und Josef, die Schafe, die Hirten, Ochs und Esel. Es fiel mir immer wieder Neues ein, wenn ich mit Hilfe der kleinen geschnitzten Figuren die Geschichte bedachte, die da geschehen ist. Mein Esel, der fällt besonders auf. Schiefergrau ist er, lange Ohren hat er und schräg gestellte Beine: der will da auf keinen Fall weg, der gehört dahin. Mein Esel wirkt ein bisschen stur. Und vor allem ist er überhaupt nicht aufdringlich. Er ist einfach da.

Was macht der Esel in der Heilsgeschichte? In jenem Winter habe ich das oftmals überlegt. Vielleicht steht er schon da für die Flucht nach Ägypten, wohin Josef und Maria und ihr Baby vor dem König Herodes flohen, der alle neugeborenen Knaben umbringen ließ? Aber vielleicht ist der Esel auch Symbol für die Anbetung und steht gleichnishaft für alle die Menschen, die die Geschichte, die da geschehen ist, einfach glauben. Es könnte aber auch sein, dass dieser Esel da steht für all die unauffällig Dienenden an der Krippe von Jesus. Sicher aber wissen wir, dass der Esel wichtig ist: Er steht am Anfang der Heilsgeschichte und an ihrem Ende, wenn Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzieht.

Christi Geburt, von Lukas erzählt, von mir in erzgebirgischen Schnitzfiguren betrachtet, regt mich an, den Fortgang der Geschichte zu bedenken. Verkürzt möchte ich sagen: Und dann kam die Kirche. Es kamen die kostbar gekleideten hohen Herren, es kamen die Hirten und viele, viele Schafe. Blieb der Esel immer dabei? Ich denke, es gehört nur wenig Phantasie dazu, um sich vorzustellen, wer in der Kirche die Hirten sind, die Schafe, die prächtig Gekleideten. Und die Esel? Wem kannst du fast unbegrenzt Lasten aufladen? Wer hält sich unauffällig im Hintergrund und schreit nur ganz selten? Wer nimmt in der Gemeinde Jesu auf Erden diese Rolle an? Es sind die Frauen und Männer, ohne die es kein Gemeindeleben gäbe, ohne deren Einsatz kein Fest zu Stande kommt, kein Basar stattfindet. Es sind die, die man gemeinhin mit dem Titel „Ehrenamtliche“ bedenkt.

Die Ehrenamtlichen sind die Esel? Wenn doch nur der Name dieses Grautiers nicht so einen negativen Klang hätte! Dann würde ich viel lieber die Eselin meiner Gemeinde sein, die man die Ehrenamtliche nennt.
Diesen Sommer war ich in Nessendorf in Holstein in einem Eselspark. Wussten Sie, dass Esel ein ganz zartes, weiches Fell haben? Wussten Sie, dass Esel, wenn man sie gut pflegt, alles tun, was man von ihnen verlangt? Wussten Sie, dass Esel außerordentlich genügsam sind, dass sie kinderlieb sind, dass sie nur schreien, wenn die Besucher immerzu nur die jungen Esel streicheln und die alten Esel übersehen?
Nein, Ehrenamtliche sind keine Esel, jedenfalls keine Esel im landläufigen Sinne. Sie haben eine Rolle übernommen, die in der Heilsgeschichte vorkommt, die vorgesehen ist, damit die christliche Gemeinde leben kann. Wahrscheinlich ist es nur die menschliche Unzulänglichkeit, die das Bild des Esels negativ besetzt hat. Aber so wie ich den Einsatz Ehrenamtlicher erlebe, stören sie sich nicht an schiefen Bildern. Sie haben ihre besondere Rolle angenommen als eine Berufung, so wie alle von Jesus gerufen worden sind: Hirten und Schafe, prächtig Gekleidete, Ochs und Esel.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2002 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Brigitte Babbe ist Mitglied der Versammlungsleitung des Frankfurter Kirchenparlamentes.

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