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Von – 1. Juni 2003

Ginnheim singt seit 25 Jahren ökumenisch

Mit Eifer singen sie sich wie immer am Montagabend unter der Leitung von Bernd Lechla ein, mit spitzen Mündern formen sie ein „süß“, bei „Ton“ gehen die Lippen schon ein wenig weiter auseinander, angesichts der Übung „lecker, locker, leicht gekocht“, können sich viele Chormitglieder ein Grinsen nicht verkneifen. Doch dann werden sie alle wieder ernster, denn die Zeit ist knapp: Der 18. Mai rückt näher, der Tag, an dem der Ökumenische Chor Ginnheim sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Dann muss die Bachkantate sitzen.

Ein Vierteljahrhundert schon ist der anspruchsvolle Chor mit seinem umfangreichem Repertoire ein gutes Beispiel für gelebte Ökumene. „Wer kommt von der katholischen Gemeinde Sta. Familia?“ – sieben, acht Zeigefinger recken sich in die Höhe. Aus der zweiten Reihe tönt es nach vorne, „sonst sind wir aber oft zwanzig“. 15, 16 Hände bekennen, dass ihre Besitzer zur evangelischen Bethlehemgemeinde gehören. Aber viele Sängerinnen und Sänger kommen auch aus anderen Gemeinden und Stadtteilen.

„Lecker, locker, leicht gekocht“ – der Ökumenische Chor Ginnheim bei den Proben für's 25-jährige Jubiläum. Foto: Surrey

Ein großes Konzept oder eine offizielle Übereinkunft zwischen den Ginnheimer Katholiken und Protestanten habe es 1978 nicht gegeben, als der Chor gegründet wurde, erzählt Pfarrerin Elisabeth Ickler von der Bethlehemgemeinde. Der damalige Chor in Sta. Familia sei auseinander gegangen, „und da war einfach eine Frau, die wollte gerne singen, und sie hat sich dann eben bei uns ge­ meldet“, sagt die 52 Jahre alte Pfarrerin. Sehr wohlwollend sieht Ickler die Arbeit der Kantoren, „so ein großer, ökumenischer Chor, das passt ganz gut ins Umfeld“, sagt Ickler.

Tatsächlich, das soziale Umfeld im Einzugsgebiet der Gemeinde ist sehr vielfältig: Tritt man vor die Tür der Kirche wird das schon deutlich – hinter dem Gebäude reckt sich ein Wohnhochhaus in die Höhe, daneben stehen Einfamilienhäuser mit gerade geschnittenen Hecken, bunten Frühlingsblumen. Ebenfalls zum Gebiet der Gemeinde gehören Ernst-May-Häuser aus den zwanziger Jahren, ehemalige Appartementblöcke der Amerikaner, alte Häuser im Kern von Ginnheim rund um die barocke Bethlehemkirche. Für Taufen, Hochzeiten wird das romantische Kirchlein gerne genutzt, Ickler legt aber Wert darauf, dass „mindestens ein Mal im Monat hier auch ein ganz normaler Gottesdienst stattfindet“.

Ein Sechseck aus Beton bildet die neue Bethlehemkirche. An einer Seite hängt ein etwa drei Meter hohes Kreuz. Aus einem Stamm scheint es geschnitten, vermutlich war es kein Baum, für den das Schicksal vorsah, als Hochglanzmöbel zu enden, das Holz hat Risse, aber einen sehr warmen Farbton. Vor dieses Kreuz stellt sich auch der Chor bei seiner Probe. Meist gibt Kantor Lechla den Ton an, manchmal überlässt er aber auch Wolfgang Tews die Führung. Seit Jahren schon hilft der musikalische Gärtner in der Bethlehemgemeinde am Flügel oder an der Orgel aus. Jetzt ist er in den Kirchenvorstand gewählt worden. Als Chorleiter Lechla das erzählt, gibt es spon­ tanen Beifall: sowohl von evangelischen als auch von katholischen Sängerinnen und Sängern.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juni 2003 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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