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Von – 1. Juli 2003

Rein und klar dolmetschen

Bertolt Brecht wurde einmal gefragt, welches deutschsprachige Buch er für das Wichtigste hielte. „Sie werden lachen: die Bibel“, antwortete Brecht und spielte damit auf die enorme Bedeutung der Luther-Bibel an, die dank der großen Übersetzungsleistung des Reformators die Alltagssprache seit dem 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit maßgeblich mit geprägt hat.

Im Unterschied zu früheren Übersetzungen, die sich allein an der lateinischen Bibel orientierten, nutzte Luther die griechischen und hebräischen Urtexte. Sein Ziel war es, den jeweiligen Sinn des Textes unverfälscht zu übertragen, und dies möglichst gewissenhaft, „auff mein bestes Vermögen und auff mein Gewissen“, wie er im „Sendbrief vom Dolmetschen“ 1530 ausführt. Dieser hohe Anspruch war nicht immer leicht einzulösen: Bei seiner Arbeit am Alten Testament suchte Luther häufig mehrere Wochen nach einem geeigneten Ausdruck und übersetzte Monate lang nur wenige Zeilen. Am Ende stand dann aber ein problemlos zu lesender Text, dem man nicht mehr ansah, was für „Wackersteine und Klötze“ da im Wege gelegen hatten.

Dieses Ringen Luthers um das rechte Wort trägt bis in die Gegenwartssprache Früchte: Wortschöpfungen wie „Denkzettel“, „Feuereifer“, „Herzenslust“ und „Morgenland“ sind noch heute geläufig, ebenso seine Redewendungen „Ein Buch mit sieben Siegeln“ (Offb 5,1), „seine Hände in Unschuld waschen“ (Ps 26,6), „der Dorn im Auge“ (4. Mose 33,55) oder „im Dunkeln tappen“ (5. Mose 28,29).

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2003 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Pfarrer Björn Uwe Rahlwes war lange Zeit Mitglied der Redaktion von „Evangelisches Frankfurt“. Danach wurde er Dozent am Religionspädagogischen Studienzentrum in Kronberg.

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