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Von – 1. September 2003

Politisches Profil im Frankfurter Norden

Für Pfarrerin Dagmar Kreider ist der Vorsitzende des Kirchenvorstands ein Glücksfall: Heinz Schöller ist seit 36 Jahren im KV der Cantate Domino-Gemeinde im Frankfurter Nordwesten aktiv. Er kennt die Gemeinde ebenso wie das Wohnviertel zwischen Heddernheim, Römerstadt und Nordweststadt wie seine Westentasche. Da kann die junge Pfarrerin, die erst vor einem halben Jahr nach zehn Jahren im nördlichen Vogelsberg nach Frankfurt kam, eine Menge erfahren. Dass die Gemeinde sich immer auch politisch verstanden hat, zum Beispiel, dass sie offen sein will für andere Menschen und für Themen abseits des Kirchturms, dass sie Integration in vielerlei Hinsicht lebt.

Praktische Nachbarschaftsarbeit: Pfarrerin Dagmar Kreider (Mitte) bei einer Stippvisite in der Hausaufgabenhilfe ihrer Gemeinde. Foto: Maranhão

Nach der Französisch-reformierten Gemeinde in Eschersheim war Cantate Domino die zweite in Frankfurt, die Anfang der 80-er Jahre einen integrativen Kindergarten für Kinder mit und ohne Behinderung gründete. Inzwischen ist das Konzept ein Selbstläufer geworden, der in der Römerstadtschule und in der weiterführenden Ernst-Reuter-Gesamtschule seine Fortsetzung erfährt. Aber Integration hat in der von zahlreichen Nationen bevölkerten Nordweststadt viele Facetten: Allein im offenen Jugendclub der Gemeinde stammen gut 80 Prozent der ständigen Jugendlichen aus muslimischen Familien. Ein Mädchen-Treff wurde gegründet, damit auch die muslimischen Mädchen eine akzeptierte Anlaufstelle außerhalb des Elternhauses haben. Das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen prägt nicht nur den Stadtteil, sondern auch ein Gutteil der Gemeindearbeit: „Da haben wir eine ungeheuer wichtige soziale Funktion“, sagt Pfarrerin Kreider.

Dazu passt das politische Engagement, dem sich der Kirchenvorstand über die letzten vier Jahrzehnte hinweg immer verpflichtet fühlte. Vom Reizthema Empfängnisverhütung in den 60-er Jahren über den Einsatz gegen die Apartheid in Südafrika bis zum Protest gegen den geplanten Verkauf des Frankfurter U-Bahn-Netzes an einem amerikanischen Investor heute reicht die Palette der Themen.

Ein Wermutstropfen ist jedoch die Kirchenmusik: Zwar sollte die Gemeinde von Anfang an ein musikalisches Zentrum im Frankfurter Norden bilden – daher der Gemeinde-Name „Cantate Domino“, Singet dem Herrn – doch mittlerweile haben die Sparzwänge der Kirche das hauptamtliche Personal dezimiert. Es gibt keinen Kantor mehr die Gemeindemusik jetzt ganz aus ehrenamtlichem Engagement. „Aber wir haben Glück“, sagt KV-Vorsitzender Schöller, „unser Name ist immer noch gerechtfertigt.“ Es gibt regelmäßige Konzerte Frankfurter Solisten, die Frankfurter Kantorei übt in den Gemeinderäumen und dankt das mit Auftritten. Und nicht zuletzt sorgt eine Besonderheit der Kirche in der Ernst-Kahn-Straße für die musikalische „Erziehung“ der Konfirmandinnen und Konfirmanden: Es gibt kein automatisches Glockenspiel, also läuten die jungen Leute sonntags von Hand die Glocken zum Gottesdienst.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. September 2003 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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