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Von – 1. Oktober 2003

„Das war schon immer so“ gilt nicht mehr

„Echte Verlierer?“ Pfarrer Jürgen Lehwalder überlegt lange, wer zu den Verlierern der Gemeindefusion im Frankfurter Nordosten gehören könnte. Seit dem 1. Januar sind die Heilands- und die Johannisgemeinde in Bornheim offiziell eins: die Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt am Main-Bornheim. Es war ein langer und vielfach auch schmerzhafter Weg bis zu diesem Zusammenschluss. Denn beide Gemeinden mussten Liebgewordenes loslassen, die Heilands­ gemeinde wird irgendwann auch ihre Kirche verlieren, unterschiedliche Traditionen müssen nun zusammengeführt werden. „Aber echte Verlierer, nein eigentlich nicht“, sagt der Pfarrer, der seit acht Jahren in der Johannisgemeinde Dienst tut und den Fusionsprozess in vielen Sitzungen, Gesprächen, Verhandlungen begleitet hat.

Bald ein Bild aus vergangenen Zeiten: Die Heilandskirche in Bornheim wird im Zuge der Umstrukturierungen aufgegeben und irgendwann abgerissen. Foto: Maranhão

Lehwalder sieht lieber auf die Haben-Seite: Es gibt viele Bornheimer, die erst über die Fusionsdebatte auf die Gemeinden aufmerksam wurden und jetzt aktiv mitmachen. Es gibt die Kinder- und Jugendgruppen bis hin zu den Konfirmanden, die schon lange gemeinsam auf dem Weg sind, oder die Gruppe „Aufbruch“ der 30- bis 50-Jährigen aus der ehemaligen Heilandsgemeinde, die sich jetzt auch für Johannis zuständig fühlt. Ein „großer Gewinn“ seien die Sekretärinnen beider Gemeinden, deren Integrationskraft besonders gefordert war, und „endlich“ ein ge­ ­ meinsamer Hausmeister. Die Kirchenmusik, einst Schwerpunkt in der Heilandsgemeinde, ist auch in der Gesamtgemeinde stärker in den Blick gerückt. Und obwohl es noch viele Doppelstrukturen gibt – zwei Gemeindepädagoginnen, zwei Kinderchöre, zwei Posaunenchöre – „sind wir doch alle in der großen Gemeinde angekommen,“ meint Lehwalder.

Dabei verschweigt der Pfarrer, der mit einer Kollegin und zwei Kollegen für die jetzt 5 800 Mitglieder starke Gemeinde zwischen Höhenstraße und Seckbach zuständig ist, keineswegs die Schwierigkeiten. „Wir leben mit sehr vielen Ungewissheiten“, aber, da ist er sich ganz sicher, „das hat auch was Produktives.“ So viele kreative Menschen seien hier aktiv, „das gibt auch inhaltlich neue Impulse“. Zum Beispiel für einen Kirchenladen, den die Gemeinde am alten Standort der Heilandsgemeinde einrichten will, als „Stadtteilschaufenster“ und Treffpunkt für unterschiedliche Menschen und Gruppen. Zum Beispiel für die neue Gemeindezeitung „Wir in Bornheim“, die ein wichtiges Element auf der Suche nach einer neuen Identität ist.

„Der Satz: Das war schon immer so; der gilt bei uns nicht mehr“, weiß Pfarrer Lehwalder. Ob Betriebsausflug, Kirchenvorstand, Gottesdienste, nichts ist mehr selbstverständlich. Wichtig für das Profil einer evangelischen Gemeinde seien ganz andere Dinge als die Organisation, die Räume, das ganze Äußere, glaubt Lehwalder. Und er freut sich schon auf die Zeit, wenn wieder genug Raum bleibt, die inhaltliche Arbeit über das rein Organisatorische zu stellen: „In diesem lebendigen Stadtteil und eingebettet in diese verlässliche Gemeinde, da können wir noch ganz viel schaffen, auf der spirituellen Ebene und im Miteinander der Menschen.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2003 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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