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Von – 1. Dezember 2003

Der nächste James Bond kommt aus Praunheim

Das Jugendhaus der Auferstehungsgemeinde in Praunheim zu finden ist kein Problem. Von rechts und links laufen junge Leute auf das von außen eher trist anmutende Haus zu, als seien sie zu spät dran für eine Verabredung. Trotz Herbstferien herrscht reger Betrieb. Was eben noch trist schien, offenbart sich von innen warm und gemütlich. Und mit all den Computern, der Ton- und Videotechnik, den Instrumenten und anderen Arbeitsplätzen wirken die weitläufigen Räume auch ein bisschen wie die unterirdische Geheimwerkstatt von Mr. Q, dem James Bond seine spektakulären Geheimwaffen verdankt.

Moderne Computertechnik statt Gitarre und Lagerfeuer: In der kirchlichen Jugendarbeit hat sich kulturell einiges verändert. Die Auferstehungsgemeinde in Praunheim ist dabei Vorreiter. Foto: Hoffmann

Vielleicht hat das auch die Videogruppe inspiriert. Seit einem Jahr schreiben, filmen und schneiden sie ihren eigenen „James-Bond-Film“. Eine kurze Sequenz lassen sie über den Bildschirm flackern – sie zeigt die Entführung des Bond-Girls. „Leider noch ohne Vertonung, die kommt in den nächsten Tagen dran“, sagt Inge Wienert, die für die Medienarbeit mit den Jugendlichen zuständig ist. Die Gruppenmitglieder seien in den Herbstferien extra zwei Tage hintereinander gekommen, um den Film fertig zu kriegen, denn die Zeit drängt. Die Bond-Produktion soll nämlich demnächst im Rahmen des TV-Jugendmagazins „Youngster“ beim Offenen Kanal in Offenbach ausgestrahlt werden.

In der Arbeit mit Jugendlichen geht es den Praunheimern vor allem darum, den Spagat zwischen Jugendhilfe und außerschulischer Bildung zu schaffen. Dabei brauche man geeignete Vehikel wie Musik, Film, Technik, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen, betont Mike Obremski. „Die Zeit, in der am Lagerfeuer die Gitarre ausgepackt wird, ist vorbei.“ Der 51 Jahre alte Pädagoge ist seit 1984 in der Auferstehungsgemeinde. Damals gefiel ihm sofort die ländliche Idylle, die lauschige Lage des Gemeindegartens direkt am Altarm der Nidda, die gleichzeitige Stadtnähe. Seit 1991 verfolgt die Gemeinde unter seiner Federführung das Konzept „Soziale Jugendkulturarbeit“. „Wir sind ja keine Volkshochschule. Es geht um ganzheitliche Förderung von Jugendlichen. Die haben bei aller Technikverliebtheit ein ganz großes Bedürfnis nach Kommunikation. Partner, Schule, Eltern – das sind die Themen, die deren Lebenswelt bestimmen“, sagt er.

Insgesamt tummeln sich etwa 30 bis 50 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren im Jugendclub. Sogar aus Sachsenhausen kommen Musiker, und jeder kennt jeden. Im Schnitt, so erzählt Obremski, bleiben die Jugendlichen fünf bis sechs Jahre dabei, machen danach aber häufig in eigener Regie weiter. „Zwei sind jetzt sogar Mitglieder im Kirchenvorstand geworden, sagt der Jugendleiter nicht ohne Stolz. Obremski ist mehr Profi als Idealist. Für ihn muss das „Produkt“ für die Jugendlichen stimmen. Hin und wieder macht der Pädagoge auch etwas möglich, was sonst nicht drin wäre: Zum Beispiel mit einer Gruppe zum Hochsee-Seegeln fahren. „Was denen das bringt, merken sie oft erst eine ganze Weile später“, sagt er zufrieden.

Zufrieden ist auch der Kirchenvorstandsvorsitzende Eberhard Erkenbrecher. „Wir sind eine sehr vielfältige Gemeinde, hier ist richtig was los“, sagt er. Ein weiterer Schwerpunkt sei die professionelle Kirchenmusik, und der Kindergarten genieße ebenfalls einen renommierten Ruf. Es gebe einen großen Kreis von Ehrenamtlichen in der Gemeinde, die in den Krabbelgruppen, dem Kirchenvorstand, in der Kirchenmusik oder beim Besuchsdienst aktiv sind. Und das, obwohl die Gemeinde derzeit mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen hat: Seit Juni ist die Gemeinde ohne Pfarrer oder Pfarrerin, die vierte Ausschreibung läuft. Auch die drohenden Kürzungen und Streichungen von Geld und Personal seitens der Kirche oder der Stadt lassen dunkle Wolken am Gemeindehorizont aufziehen. Denn eines scheint klar: Sollte beispielsweise die Stadt den Zuschuss für den Jugendclub streichen, „dann ist die Arbeit so wie sie war, vorbei“, sagt Erkenbrecher. Doch im Moment geht das Gemeindeleben auf hohem Niveau weiter. Die Vorbereitungen für die 1200-Jahrfeier von Praunheim im nächsten Jahr laufen auf Hochtouren. Denn auch dabei mischt die Gemeinde ordentlich mit.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2003 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Sandra Hoffmann ist Journalistin in der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt.

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