Evangelisches Frankfurt

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Luther & Co
Ausgabe
Dezember 2003

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Zur Hölle mit der Weihnachtsgans?

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und die Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Weihnachten ohne Weihnachtsgans und andere Schlemmereien ist für viele Menschen undenkbar. Auch Martin Luther liebte es, sich deftige Speisen und geistreiche Getränke wie Bier und Wein einzuverleiben. Wie er das Weihnachtsfest kulinarisch gestaltete, ist allerdings nicht überliefert. Wohl aber eine Predigt vom Mai 1539, in der er die Christen zu „Nüchternheit und Mäßigung“ ermahnt. Dort findet er harte Worte gegen „Schlemmen, Fressen und Trunksucht“, die er als deutsche Nationallaster bezeichnet. Wer nicht danach strebt, „dass er nüchtern und mäßig seinen Dienst oder sein Amt ausübt, sondern voll wie ein Schwein ist, der wird weder zum Beten noch zu anderen christlichen Dingen nützlich sein.“ Menschen, die sich „in ständiger Fresserei ergehen“, führen ein Leben in „falscher Sicherheit und Gottesverachtung“. Folge: Wenn der Jüngste Tag kommt, wird er „keine Christen vorfinden, sondern alles wird feucht und bezecht in den Abgrund der Hölle fahren.“

Zur Hölle also mit den fetten Weihnachtsgänsen und den Festbraten? Nein, sagt der Reformator. Essen und Trinken sollen Spaß machen, dagegen hat Gott nichts, „allein: Es muss bei einem bestimmten Maß bleiben.“ Doch was ist das Maß der Dinge? „Nicht über das, was üblich und ziemlich ist hinaus“, sagt Luther in der Predigt. Doch was üblich und ziemlich ist, lässt einen beim Blick auf die Leibesfülle des Reformators einigermaßen beruhigt an den Gänsekeulen knabbern.

Ralf Bräuer

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