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Von – 1. April 2004

Ostern – der Zweifel gehört dazu

Ostern steht vor der Tür, das älteste christliche Fest. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu. Zwischen Osterhasen und bunten Eiern stellt sich daher an diesen Tagen auch die Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Barbara Themel ist Pfarrerin in der Gemeinde Friedenau-Taunusblick in Zeilsheim. Foto: Oeser

Karl Barth, ein berühmter Theologe des 20. Jahrhunderts, wurde einmal gefragt: „Herr Professor, werden wir die, die wir lieben, nach dem Tod wiedersehen?“ – „Ja“, antwortete darauf Barth „und die, die wir nicht lieben, auch!“ Eine spitzfindige Antwort auf die Frage, was denn nach dem Tod kommt. Eine Antwort, die eine Spitze in sich hat und sich allzu einfacher Erklärungsversuche enthält mit dem Hinweis: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Ostern ist das älteste christliche Fest, doch viele Menschen wissen mit dem Begriff „Auferstehung“ nicht mehr viel anzufangen. Nach einer Umfrage der Zeitschrift Chrismon halten 41 Prozent der Deutschen gar nichts davon, für 15 Prozent ist sie ein bloßes Symbol für Hoffnung, 4 Prozent haben gar keine Meinung dazu. 40 Prozent aber, immerhin, können mit dem Begriff etwas anfangen, wobei sich allerdings „Auferstehung“ und „Reinkarnation“ munter zu mischen scheinen.

Dass sich moderne Menschen mit dem Glauben an ein Leben nach dem Tod schwer tun, hat sicher etwas mit dem heutigen Weltbild zu tun: Dass die Oma jetzt im Himmel ist, ist für einen Fünfjährigen zwar durchaus einleuchtend. Für jemanden, der in den Nachrichten hört, dass eben mal wieder eine Sonde zum Mars unterwegs ist, ist es aber schon schwieriger nachvollziehbar. Doch es ist nicht nur die Erforschung des Weltalls, die uns die Vorstellung vom Jenseits erschwert. Es ist auch das Diesseits, welches für uns – im Gegensatz zu unseren Vorfahren – so angenehm geworden ist, dass wir uns gar nicht nach dem Leben nach dem Tod drängeln. Vielleicht stimmen deshalb mehr und mehr Deutsche der Lehre von der Reinkarnation, der Wiedergeburt zu: Wenn das eigene Leben angenehm und schön ist, mag der Gedanke attraktiv sein, noch andere, zukünftige Leben vor sich zu haben. Geflissentlich wird dabei jedoch übersehen, dass die ursprüngliche Lehre von der Wiedergeburt gerade das eigentlich vermeiden will und die Bestimmung des Menschen im Nirwana sieht, also gerade in der Befreiung von allem Irdischen.

Ich erlebe Menschen immer dann als besonders offen für dieses Thema, wenn sie selbst mit dem Tod konfrontiert sind. Wenn zum Beispiel ein Angehöriger verstorben ist, dann stellt sich die Frage: Soll das alles gewesen sein? Oder kommt noch etwas? Selbst atheistische Redner kommen dann am Grab nicht umhin, wenigstens von einem „Weiterleben in den Herzen“ zu sprechen oder vom „Strom des Lebens“, der nicht versiegen wird.

Mir ist das aber zu wenig. Was soll das Fischen im Trüben, wenn ich an Ostern die konkrete Aussage habe: Christus ist vom Tod auferstanden und mit ihm werde auch ich weiterleben! Sicher: Wie das einmal faktisch aussehen wird, davon berichten die Schreiberinnen und Schreiber des Neuen Testaments nichts. Das Leben vor dem Tode, das die Menschen zu verantworten haben, scheint ihnen wichtiger gewesen zu sein als die Frage, wie es nach dem Tod einmal weitergeht. So sagen sie auch, dass sich die Auferstehung immer dann ereignet, wenn Menschen beginnen, aus überholten Bahnen auszubrechen. Wenn sie anfangen, die Welt so zu gestalten, wie Jesus es ihnen vorgelebt hat: Im Vertrauen auf Gottes Nähe und im Geist der Solidarität mit den Schwächeren. Dass dieses Leben mit Christus nach dem Tod nicht aufhört, war den ersten Zeuginnen der Auferstehung selbstverständlich. Als drei Frauen am Ostermorgen Christi Grab leer fanden, da war ihnen klar, dass Gott seinen Sohn auferweckt hat.

Nun sind die Evangelien aber keine rein historischen Berichte, sondern Glaubenszeugnisse. Schon immer wurden ihre Aussagen deshalb angezweifelt. So unterstellten zum Beispiel einige Zeitgenossen den Jüngerinnen und Jüngern, sie hätten Jesu Leichnam gestohlen, um dann zu behaupten, er sei von Gott auferweckt worden. Vorstellbar wäre das. Aber vorstellen lässt sich eben vieles, und es könnte immer auch alles ganz anders gewesen sein. Der Zweifel gehört zu Ostern dazu wie der Glaube. Die Angst, nach dem Tod ins Nichts zu fallen, genauso wie die Hoffnung, es möge noch etwas anderes kommen.

Marie Luise Kaschnitz hat das einmal so ausgedrückt: „Die Mutigen wissen, dass sie nicht auferstehen. Dass kein Fleisch um sie wächst am jüngsten Morgen. Dass sie nichts mehr erinnern und niemandem wieder begegnen. Dass nichts ihrer wartet. Ich bin nicht mutig.“

Ich bekenne, dass ich es auch nicht bin. Gott sei Dank brauche ich seit Ostern an dieser Stelle aber auch gar nicht mehr mutig zu sein.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. April 2004 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Barbara Themel ist Pfarrerin in der Gemeinde Friedenau-Taunusblick in Zeilsheim.

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