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Von – 1. Mai 2004

Bornheim: Hilfe geht durch den Magen

Die Tür des Gemeindehauses steht an diesem Morgen weit offen, denn es werden Gäste erwartet. Besondere Gäste, für die Gemeindesekretärin Heike Smolanowicz und ein ehrenamtliches Team schon die Tische im Saal gedeckt haben. Jeden dritten Mittwoch im Monat lädt die Wartburggemeinde in Bornheim obdachlose Männer und Frauen zu einem Frühstück ein.

Gemeindesekretärin Heike Smolanowicz und viele Helferinnen und Helfer machen's möglich: Einmal im Monat lädt die Wartburggemeinde in Bornheim obdachlose Menschen zum Frühstück ein. Foto: Dostalek

Auf den Tischen stehen Kaffee und verschiedene Sorten Tee, Körbe mit Brötchen und Brot, Platten mit Wurst- und Käseaufschnitt. Ein handfestes Frühstück also für diejenigen, die noch nichts in den Magen bekommen haben oder sich jede Scheibe Wurst oder Käse abzählen müssen. Ruhig ist es im Saal, obwohl alle Tische besetzt sind. Manche der Männer und Frauen plaudern leise miteinander, andere essen konzentriert und schweigsam und blicken nicht auf.

Es seien immer wieder neue Gesichter dabei, sagt Smolanowicz, aber auch Stammgäste – im Durchschnitt 30 bis 40 Personen. Jeder könne in die Situation geraten, das Dach über dem Kopf zu verlieren, meint ein arbeitsloser Mann aus Bornheim. „Die Menschen sind gerne bei uns, weil sie merken, dass die Hilfe von Herzen kommt und sie bei uns Gehör finden“, sagt Horst Fey, einer der ehrenamtlichen Helfer. Die Hilfe für die Obdachlosen beschränkt sich nicht nur auf das Frühstück. Es liegen auch Kleidung und warme Decken zum Mitnehmen bereit, und wer Beratung braucht, findet sie bei einem Sozialarbeiter.

Schon seit einigen Jahren gibt die Gemeinde Lebensmittelgutscheine an Bedürftige aus. „Aber die Menschen brauchen mehr als materielle Hilfe“, sagt Pfarrer Thomas Diemer. Auch Heike Smolanowicz, die als Gemeindesek retärin die Gutscheine ausgibt, empfand diese Art der „Abfertigung“ als nicht befriedigend. So ergriff sie die Initiative für ein Obdachlosenfrühstück und traf auf große Hilfsbereitschaft bei anderen Gemeindemitgliedern. Gut angekommen ist auch die Idee, Frühstückspaten zu werben, die mit einer Spende von 100 Euro ein Frühstück finanzieren. Das entlastet die Gemeindekasse und sichert die Frühstückstreffen für einige Monate im voraus.

Dass dieses Projekt ins Leben gerufen wurde, ist umso bemerkenswerter, als die rund zweitausend Mitglieder zählende Wartburggemeinde in letzter Zeit viel Kraft und Energie in die Planung eines neuen Gemeindezentrums stecken musste. Das zu groß gewordene bisherige Gemeindehaus in der noblen Günthersburgallee wird aufgegeben, ein Neubau unmittelbar an der Kirche in der Hartmann-Ibach-Straße ist schon weit fortgeschritten, im Herbst soll Einweihung sein. Dann werden die Krabbelgruppen und Pfadfinder, Senioren und Musikgruppen, Konfirmanden und der Kirchenvorstand sich die Gruppenräume des Hauses teilen.

Die Gemeinde im quirligen Bornheim profitiert davon, dass viele junge Familien in das Wohngebiet ringsum einziehen. In den Reihenhäusern aus den sechziger Jahren am Rande des Günthersburgparkes und in den Wohn-blocks Richtung Friedberger Landstraße ist derzeit ein Gene rationswechsel im Gange. „Wir machen viel für unsere Kinder und Jugendlichen“ sagt Pfarrer Diemer. Die weiteren Schwerpunkte Musik, Kunst und Kirchenarchitektur hat die Gemeinde ihrem Kirchenmusiker Klaus Bauermann zu verdanken und der Kirche selbst. Das Gotteshaus mit seiner ausgezeichneten Akustik wurde in den sechziger Jahren von dem bekannten Frankfurter Kirchenarchitekten Werner Neumann erbaut und ist als Veranstaltungsort für viele Konzerte bekannt.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Mai 2004 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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