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Von – 1. Dezember 2004

Aus Astrologen wurden Könige

Sie waren weder Könige noch Heilige, und auch die Zahl drei ist unsicher. Möglicherweise sind sogar Frauen dabei gewesen. Erst im Lauf der kirchlichen Tradition wurden aus den namenlosen „Weisen aus dem Morgenland“, von denen das Matthäus-Evangelium (2,1 –12) erzählt, die „heiligen drei Könige“: Caspar, Melchior und Balthasar. Da jedoch schon Matthäus eine vor Symbolik berstende Geschichte erzählt, lag es nahe, diese noch weiter auszubauen – bis hin zu den Sternsingern unserer Tage.

Dieses Bild der „heiligen drei Könige“ schuf Hans Holbein der Jüngere für den Dom in Freiburg. Bild: Yorck-Projekt

Die Weisen kommen von weit aus dem Osten, weil sie einen Stern haben aufgehen sehen, der ihnen die Geburt eines neuen Königs der Juden anzeigt. Der Stern führt sie nach Bethlehem, wo sie den neugeborenen Jesus finden, ihn als Weltenkönig anbeten und ihm standesgemäß Gold, Weih­ rauch und Myrrhe darbringen.

Matthäus will mit dem Vorbild der Weisen all die beschämen, die Jesus nicht als Gottes Sohn und Weltenherrscher anerkennen: Wenn selbst die Heiden das Richtige tun, die ihre Kenntnisse doch nur aus stummen Sternen gewinnen, dann müssten die Autoritäten aus dem eigenen Volk ihn doch erst recht feiern und ehren. Alle, die nicht nach Bethlehem kommen – König Herodes, Schriftgelehrte und Pharisäer – zeigen dadurch bereits hier ihre Feindschaft gegenüber Jesus: Er ist von Anfang an ein bedrohter Herrscher. Aber einer, der sich durchsetzen wird. Am Ende des Evangeliums wird nämlich klar, dass die Anbetung der Weisen den späteren großen Erfolg der Mission unter den Heiden bereits vorwegnimmt (28,19).

Bei aller literarischen Gestaltung hat die Geschichte einen wahren Kern. Die Weisen waren hervorragende Sternkundler. In ihrer Heimat, dem heutigen Irak/Iran, sahen sie im Jahr 7 vor Chris­ tus im Westen die ohnehin recht hellen Planeten Saturn und Jupiter so nahe beieinander, dass man sie für einen einzigen, großen Stern halten konnte. Möglicherweise ist das ein Hinweis auf das Geburtsjahr Jesu.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2004 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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