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Von – 1. März 2005

Der erste Apostel war eine Frau

Maria Magdalena ist in der späteren Kirche häufig mit der Sünderin und Ehebrecherin gleichgesetzt worden – von Tizian, der sie als laszive Nackte malte, bis hin zu Mel Gibson, der sie in seinem Film „Passion Christi“ als ehemalige Prostituierte auftreten ässt. In Wahrheit jedoch war Maria aus Magdala eine der Jüngerinnen, die Jesus durch Galiläa begleitet haben. Auch bei der Kreuzigung und der Grablegung war sie mit dabei. Und dann ist sie die erste, die am Ostersonntag dem auferstandenen Jesus begegnet und nach Johannes (Kapitel 20) als „Apostolin der Apostel“ davon erzählt.

Allerdings gerät Maria Magdalena zuvor erst einmal in eine Reihe grotesker Missverständnisse. Als sie am Ostermorgen das leere Grab sieht, denkt sie nicht an Auferstehung, sondern an einen Diebstahl der Leiche. Zwei Engel sprechen sie an. Ihnen klagt sie, jemand habe Jesu Leichnam beseitigt. Ohne ihnen weiter zuzuhören, dreht sie sich weg. Da steht der Auferstandene vor ihr. Nur: Sie verwechselt ihn mit dem Gärtner und fragt ihn, ob er die Leiche weggebracht habe. Erst als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht, erkennt Maria ihn, meint jedoch, er sei derselbe wie vorher und will ihn umarmen. Jesus weist sie brüsk zurück: „Bleib mir vom Leib!“

Dass Maria etwas verloren durch den Ostermorgen stolpert, lässt sich psychologisch erklären: Sie ist noch ganz auf den Tod fixiert und hat in ihrem Schmerz keinerlei Phantasie für die Möglichkeit der Auferstehung. Da sie Jesus nicht mehr erwartet, erkennt sie ihn auch nicht. Darüber hinaus ist Maria Repräsentantin der Gemeinde, die sich zunächst viel zu sehr vom Tod bestimmen lässt und nur schwer wahrnimmt, dass sie eine Perspektive jenseits aller Vergänglichkeit besitzt. Am Ende jedoch weiß sie, was Ostern heißt: Inmitten des Todes an das Leben glauben, inmitten der Absurdität an den Sinn, inmitten der Finsternis an das Licht, inmitten irdischer Hinfälligkeit an den Himmel. An Marias Fehlschlüssen merkt der Leser des Evangeliums: Mit der Auferstehung beginnt etwas völlig Neues. Jesus ist nicht mehr verfügbar und als „Rabbi“ greifbar. Doch seine Gegenwart ist intensiver und unmittelbarer als vorher. Er ist so sehr mit den Seinen verbunden, dass sie in ihm leben als seine Brüder und Schwestern, als Kinder Gottes.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. März 2005 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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