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Von – 1. Juli 2005

Kein Schlaraffenland

Warum Arbeit dem Christentum so wichtig ist

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Was ein Nachahmer des Apostels Paulus niedergeschrieben hat (2. Thess 3,10), klingt zunächst wie eine harte, aber griffige Formel für den heutigen Umgang mit Menschen ohne Arbeit. Doch die Bibel kennt nicht die Probleme moderner Arbeitsmarktpolitik, geschweige denn, dass sie dafür Lösungen bietet.

Im Zusammenhang zielt die sprichwortartige Alltagsmoral wohl gegen Christen griechischer Kultur, die körperliche Arbeit als minderwertig verabscheuten, oder gegen Enthusiasten, die in Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Gottesreiches meinten, auf jede Sicherung ihrer Existenz verzichten und die Hände in den Schoß legen zu können. Da auch diese Gemeindemitglieder Hunger bekamen, fielen sie der übrigen Gemeinde zur Last, die mit der Versorgung der wirklich Bedürftigen schon genug gefordert war. Und ihre reichlich bemessene Zeit nutzten die eher dem Geistigen zugetanen Gemeindeglieder vermutlich, ihre Lebensphilosophie weiter zu verbreiten. Damit stellten sie das christliche Solidaritätsprinzip auf den Kopf. Sie sorgten nicht für das eigene Auskommen, obwohl sie es konnten, und schmälerten damit die Hilfsbereitschaft der anderen. Nicht zuletzt gaben sie kein Beispiel tätiger Liebe und schädigten so den Ruf der Gemeinde. Als Konsequenz wurde ein Kirchenzuchtverfahren eingeführt: Wer ohne Not die Hilfe der Gemeinde in Anspruch nahm, wurde zunächst ermahnt und dann nicht mehr zum Essen eingeladen.

Dass in der frühen Christengemeinde die Erwerbsarbeit für den eigenen Unterhalt selbstverständlich vorausgesetzt wird, hängt mit dem biblischen Menschenbild zusammen: Der Mensch ist grundsätzlich ein arbeitender. Das steckt schon im Schöpfungsauftrag Gottes: Zu den Aufgaben des Menschen gehört es, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Er soll sich die Welt untertan machen, das heißt: eine verantwortliche und fürsorgliche Herrschaft darin ausüben. Dieser Dienst bedeutet Arbeit – das Paradies war also kein Schlaraffenland.
Unter „paradiesischen“ Verhältnissen dient die Arbeit der Sicherung wie der Entfaltung, ist kreatürliche Notwendigkeit und kreative Möglichkeit, beinhaltet Lebensfreude, Schaffensdrang und Lust am Gelingen, gehört zur unverlierbaren Würde des Menschen. Allerdings lebt der Mensch nicht mehr im Paradies, denn er verfehlt den Willen Gottes. Der Acker ist verflucht, und der Mensch muss ihm im Schweiße seines Angesichts das Lebensnotwendige abringen. Die Arbeit bleibt, aber neben die glückhaften und erfüllenden Erfahrungen mit der eigenen Arbeit treten auch die der Entfremdung, der Mühsal und Vergeblichkeit.

Und die Arbeit wird falsch gewichtet: Der Mensch will sich mit ihr sein Leben sichern, will in der Welt Gottes Position einnehmen, will sich Gottes Segen damit erkaufen. Recht verstanden ist Arbeit ein Dienst an Gott, im Sinne des Schöpfungsauftrags zu schalten und zu walten, und ein Dienst an der Gemeinschaft mit einer inneren Nähe zu geschwisterlich-genossenschaftlichen Modellen der Arbeit.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2005 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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