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Von – 1. Oktober 2005

Nach der Arbeit in die Gemeinde

„Unsere Kirche hat den Charme einer Fabrikhalle“, sagt Pfarrer Friedhelm Boller auf dem Weg zum Gottesdienstraum. „Aber: Sie ist voller Leben!“ 120 bis 160 Menschen besuchen den Gottesdienst auch an ganz normalen Sonntagen – und das bei nur knapp 300 Gemeindemitgliedern. Die meisten von ihnen kommen nicht aus dem Stadtteil, sondern aus ganz Frankfurt und der näheren Umgebung. Sie haben nicht ihre Ortsgemeinde, sondern die Personalkirchengemeinde Nord-Ost als geistliche und oft auch persönliche Heimat gewählt.

Pfarrer Friedhelm Boller (Mitte) mit einem der zahlreichen Bibelkreise der Nord-Ost-Gemeinde. Foto: Oeser

„Menschen, die noch keine Beziehung zu Gott haben, sollen die befreiende, frohe Botschaft hören und Gemeinschaft erleben“, fasst der Seelsorger einer der kleinsten Gemeinden Frankfurts die Vision zusammen, die auch 30- bis 40-Jährige, darunter viele Singles, manchmal direkt nach der Arbeit nach Bornheim in die Wingertstraße zieht. „Sie bleiben dann den ganzen Abend, die Gemeinde ist für sie wie ein zweites Zuhause.“

Verbindlichkeit prägt die über zwanzig Gebetsgruppen, Haus- und Bibelkreise, und leichten Zugang finden Interessierte über das vielfältige Gottesdienstangebot mit klassischen und alternativen Erlebnisgottesdiensten: „Ansehen, Reinschauen, Christsein erleben“ ist etwa an jedem ersten Sonntag im Monat um 17.30 Uhr angesagt. „Sinnsucher, Gottessucher sind es, die ich mit meiner Arbeit erreichen will“, sagt Friedhelm Boller.

Viele kommen aus der gehobenen Mittelschicht, das merkt man auch an den üppigen Kollekten: 500 Euro in einem einzigen Gottesdienst sind keine Seltenheit. Mitgetragen wird die Arbeit vom Nord-Ost-Verein, den es schon vor der Kirchengemeinde gab, und dem die Kirche mit Gemeinderäumen und die Pfarrwohnung gehören. Die Gemeinderäume sind inzwischen zu klein geworden; für ihre Erweiterung gelang es dem Verein, fast 80000 Euro durch Spenden, Baupatenschaften und zinslose Darlehen aufzubringen – doppelt so viel wie geplant. Gute Chancen also für das neueste „Projekt 10000“: Gut erhaltene Gebrauchs- und Kunstgegenstände sollen per Internetauktion oder Flohmarktstand in 10000 Euro zur Finanzierung einer neuen Küche umgewandelt werden. Die ersten gespendeten Oma-Radios und Schreibmaschinen stehen bereits in der Kirche. Nur der fest installierte Beamer für die Gottesdienstgestaltung wird wohl noch eine Weile Wunsch bleiben.

„Gesellschaftspolitisches Engagement ist sicher nicht der Schwerpunkt unserer Gemeinde“, sagt Pfarrer Boller. „Aber wir denken nicht nur an uns. Die Gemeinde unterstützt die christliche Aidshilfe und Missionsprojekte in Lima, auf den Philippinen und in Uganda.“ Die Menschen wollen den Glauben und die Gemeinschaft, die sie in der Gemeinde gefunden haben, an andere weitergeben. Nur eines bedauert Friedhelm Boller: „Manchmal fehlt mir der erfrischende Umgang mit Heiden.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2005 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Gunda Höppner ist Pfarrerin in Niederrad.

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