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Von – 1. November 2005

Bibel-Übersetzung ohne Einheit

Die Bibel ist das stärkste Band, das Evangelische und Katholische miteinander verbindet. Für die beiden großen Kirchen Deutschlands liegt es daher nahe, eine gemeinsame Übersetzung der Heiligen Schrift herauszugeben. Die so genannte „Einheitsübersetzung“, die zwischen 1962 und 1980 entstand, war allerdings ursprünglich nur als einheitliche Übersetzung für die deutschsprachigen katholischen Diözesen gedacht. Bald aber sind auch evangelische Theologen in das Projekt eingestiegen, und so gewann das Wort „Einheit“ eine neue Bedeutung. Die „Einheitsübersetzung“ wird aufgrund ihrer Qualität heute auch im Protestantismus gerne verwendet.

In diesem Jahr nun sollte eine Überarbeitung der „Einheitsübersetzung“ unter evangelischer Mitwirkung beginnen. Für die Ökumene hätten daraus wichtige Impulse wachsen können. Aber jetzt hat sich die evangelische Kirche aus dem Vorhaben zurückgezogen, weil sich die katholische Seite zu dominant zeigte.

So bestand sie darauf, eine 2001 vom Vatikan herausgegebene Anweisung zu beachten, wonach für eine Bibelübersetzung die überlieferte Liturgie und die Bibelinterpretationen der Kirchenväter als Hilfsmittel bei der Übersetzung unklarer Stellen herangezogen werden müssen. Das widerspricht aber ganz dem evangelischen Schriftprinzip. Denn es bedeutet, dass nicht der biblische Urtext und die Erkenntnisse der Auslegungswissenschaft als maßgeblich zu betrachten sind, sondern auch spätere, wissenschaftlich bedenkliche und interpretierende Übersetzungen wie die lateinische Vulgata.

Dass die Instruktion aus Rom außerdem vorsieht, die abgeschlossene Übersetzung dem Vatikan zur Genehmigung vorzulegen, ist ein für Evangelische völlig unannehmbarer Vorbehalt. Denn nicht das Lehramt, sondern die Heilige Schrift selbst ist nach evangelischer Überzeugung allein der Maßstab für alles, was in der Kirche gesagt und getan wird.

Von diesen protestantischen Bedenken mochten sich die Katholiken aber nicht aus dem Tritt bringen lassen. Mit ihrer Mehrheit wollten sie im Zweifelsfall die eigene Meinung durchsetzen. Die neue „Einheitsübersetzung“ wird daher jetzt wohl endgültig, was von Anfang an sein sollte: katholisch. Bleibt also doch die evangelische Luther-Übersetzung. Hier wären nun Kräfte für eine behutsame Modernisierung frei.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. November 2005 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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