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Von – 1. Februar 2006

Indonesische Gemeinde gehört dazu

„Endlich sind wir gleichberechtigt“, freut sich Frank Madrikan, der den Kirchenvorstand der indonesischen Kristusgemeinde Rhein-Main leitet: Nach dreißig­ jähriger Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche wurde jetzt seine Glaubensgemeinschaft offiziell in den Evangelischen Regionalverband Frankfurt aufgenommen.

Das bedeutet vor allem die Einrichtung einer festen Pfarrstelle für die beiden Predigtstätten der Indonesier in Darmstadt und Frankfurt. Hier hat die Kristusgemeinde seit ihrer Gründung 1973 eine Heimat in der Paulsgemeinde am Römerberg gefunden.

Die evangelische Kirche in Frankfurt wird internationaler: Mit der indonesischen Kristusgemeinde ist jetzt - nach der koreanischen Gemeinde - die zweite ausländische Glaubensgemeinschaft dem Regionalverband beigetreten. Foto: Oeser

Die erste Generation der Indonesier, die nach Deutschland kam, ist jetzt zwischen 50 und 60. Sie kamen, weil in den siebziger Jahren Krankenschwestern und -pfleger gesucht wurden. „Es war mehr ein Zufall“, sagt Madrikan. „Ich glaube nicht, dass ihnen klar war, was auf sie zukommt.“ Viele ihrer Kinder haben dann studiert, Frank Madrikan etwa Politologie.

Es sind freundliche Leute, die Atmosphäre im Gottesdienst ist heiter. Nach protestantischer Tradition steht dabei die Predigt im Mittelpunkt, der liturgische Rahmen ist von Liedern zu Klavierbegleitung bestimmt. Am Ende geben sich alle untereinander die Hand – also wirklich alle allen – und wünschen sich noch einen schönen Sonntag und Gottes Segen.

Die Integration in die deutschen Kirchenstrukturen soll keinesfalls dazu führen, die eigene Farbe zu verlieren, im Gegenteil: Die neue Gemeindeordnung sieht ausdrücklich vor, indonesische Kultur, vor allem die indonesische Sprache, zu pflegen und zu bewahren. Deshalb wird auch der Gottesdienst immer zweisprachig abgehalten.

„Für die zweite Generation ist es besonders wichtig, die eigene Sprache aktiv zu pflegen“, sagt der 29 Jahre alte Kirchenvorsteher. „Aber natürlich sind wir auch für Deutsche offen, zum Beispiel die Ehepartner.“ Dietmar Will, Pfarrer für Ökumene, begleitet die Kristusgemeinde bei der Wahl des Pfarrers und des neuen Kirchenvorstandes. Ganz einfach ist es nicht, das alles nach den komplizierten offiziellen Kirchenregeln ablaufen zu lassen: „Bis jetzt war es die Gemeinde gewöhnt, ihre Entscheidungen informell zu treffen. An die formalen Abläufe muss sie sich erst noch gewöhnen.“

„Manchmal wundern wir uns ja schon, dass noch der Schriftgrad auf dem Siegel von der Landeskirche festgelegt wird“, gibt Madrikan zu. „Aber im Großen und Ganzen sind wir stolz darauf, dass wir mehr Farbe in die evangelische Kirche bringen. Denn das multikulturelle Frankfurt ist nicht nur von Muslimen geprägt, sondern auch von Christen unterschiedlicher Herkunft.“

Nach dem Gottesdienst wird meist noch Kaffee und indonesische Bohnensuppe getrunken. „Die Leute kommen hierher, weil sie sich bei uns zuhause fühlen“, meint Madrikan. „Man kennt sich untereinander und fühlt sich einfach besser aufgehoben als in deutschen Gemeinden.“

Das liegt sicher auch daran, dass die Gemeindeordnung ausdrücklich den Besuch des Pfarrers oder eines Kirchenvorstandsmitglieds vorsieht, wenn jemand sehr krank wird, einen runden Geburtstag feiert oder ein Kind geboren wird. „Das ist in Indonesien so üblich und dabei bleiben wir.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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