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Von – 1. April 2006

Die Frau, die aus dem Nichts kam

Wie konnte die Familie Adams und Evas die Keimzelle der Menschheit bilden, wo sie doch mit Kain und Abel (sowie später Set) nur Söhne hatte? Wenn es sonst keine Menschen gab, woher kommt dann die Frau, die Kain heiratete? Bibelkritiker führen diese Frage gerne an, um die Glaubwürdigkeit der biblischen Überlieferung anzuzweifeln. Die Fraktion derer, die die Bibel wortwörtlich als Geschichtsbuch verstehen, argumentiert dagegen, dass Adam und Eva im Laufe ihres langen Lebens (Adam war 930 Jahre alt, als er starb) viele Töchter und Söhne gehabt hätten. Kain habe also doch eine Liebste finden können, vielleicht eine Enkelin seines Bruders Set. Und weil das Erbmaterial damals rein war, sei die Verwandten ehe (noch) kein Problem gewesen. Mögen derlei bemühte Harmonisierungsversuche noch nachvollziehbar sein, sie enden spätestens da, wo zwei Schöpfungsgeschichten ganz unterschiedlich über das Werden unseres Lebensraumes erzählen und vier Evangelien über das Wirken Jesu.

Die Bibel erhebt nicht den Anspruch, ein Geschichtsbuch zu sein. Wer sie so liest, erleidet angesichts unseres Wissens um Urknall und Evolution sogleich Schiffbruch und dringt nicht zum Wesentlichen vor. Hinter den Geschichten verbergen sich nämlich Aussagen darüber, wie wir als Menschen in dieser Welt leben, handeln, hoffen können. Wo sich der Mensch als bedeutungsloses Staubkörnchen im Universum ins Dasein geworfen fühlt, spricht die Bibel von einem geliebten Geschöpf Gottes, das die Welt als ein gemachtes Nest vorfindet. Wo der Mensch gern fehlerfreier und unbezwingbarer Titan sein möchte, betrachtet sie ihn als fehlbares, erlösungsbedürftiges Wesen, das immer wieder scheitert, weil es sich überhebt. Und wo der Mensch verzweifelt, redet sie von Gott, der hebt, trägt und Zukunft eröffnet. Indem die Bibel von Gott her Aussagen über Wesen, Sinn und Ziel menschlichen Daseins macht, konkurriert sie nicht mit dem modernen wissenschaftlichen Weltbild, sondern ergänzt es. Adam und Eva waren keine historischen Menschen, aber ihre Geschichten spiegeln das zwiespältige menschliche Wesen und zeigen, dass Gott auch dem Sünder treu bleibt.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. April 2006 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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