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Von – 1. April 2006

Enge Bindung: die Kirche im „Gärtnerdorf“

„Unsere Erlöserkirche“ – viele Oberräder sind in besonderer Weise mit ihrem Gotteshaus verbunden. Über 350 Menschen sind im März zum Festgottesdienst gekommen. Die Gemeinde hatte eingeladen, „50 Jahre neue Erlöserkirche“ zu feiern, die am 18. März 1956 eingeweiht worden war.

Die Wurzeln für diese besondere Beziehung der Menschen des „Gärtnerdorfes“ Oberrad zu ihrer evangelischen Kirche sind in gemeinsamen schlimmen Erfahrungen begründet: Am 4. Oktober 1943 und am 18. März 1944 wurden nicht nur die Kirche und das Gemeindehaus, sondern auch 90 Prozent aller Häuser des Stadtteils durch alliierte Bomberangriffe zerstört. Daran erinnern jedes Jahr am 18. März um 18 Uhr die Kirchenglocken, die gegen das Vergessen und für den Frieden läuten. Sie verbinden sich mit der ständigen Mahnung des Reliefs am Kirchenportal, das Menschen unter dem Kreuz im Schatten der Atompilze von Hiroshima und Nagasaki zeigt.

Bei strahlendem Sonnenschein feierten die Oberräder im März den 50-jährigen Wiederaufbau der Erlöserkirche. Foto: Oeser

Zu viel Ernst und Schwere? „Wir sind hier eine ganz normale Gemeinde“, sagt Pfarrer Kurt Schubert und verweist auf die Arbeit mit Senioren und „Junggebliebenen Evergreens 55Plus“, den Posaunenchor, die Theatergruppe für Jugendliche, den Kindergottesdienst und den gut in die Gemeindearbeit eingebundenen viergruppigen Kindergarten: „Viele junge Familien kommen so in die Gemeinde!“ Die Verbindung ist auch zu den Vereinen, den Gärtnereien (aus Oberrad kommen die Kräuter für die „Grüne Soße“) und den Hobbygärtnern gut. Von ihren Spenden profitiert die Gemeinde vor allem beim über den Stadtteil hinaus bekannten ganztägigen Erntedankfest.

„Die Gemeinde lebt vom Glauben der Menschen und von der gegenseitigen Unterstützung“, so der Kirchenvorstandsvorsitzende Mathias Barth. Die ist auch notwendig, denn: „Auch in Oberrad sind die Menschen ärmer geworden“, stellt Pfarrerin Erdmuthe Jähnig-Diehl fest. Die Gemeinde hat darauf reagiert: Ihr Sozialarbeiter Wolfgang Hofmann bietet seit Oktober 2005 aufsuchende Sozialarbeit an. Arbeitslose, Ältere, die alleine nicht mehr klar kommen, Menschen, die in der Schuldenfalle stecken, sowie Obdachlose bekommen Beratung und Hilfe, und das nicht nur, wenn sie evangelisch sind. Gespräche mit Sozialämtern, Vermieter, und Krankenkassen, Hausbesuche und Vermittlung von Betreuungen sind hier das tägliche Brot.

Auch die Gemeinde muss in Zukunft sparen. Grund zur Sorge? „Unsere Gelassenheit und unser Vertrauen in die Zukunft sind stärker als die Angst“, sagt Mathias Barth. Und Pfarrer Schubert ergänzt: „Das Frohe ist uns wichtig.“ Da passt es, dass das freischwebende Kruzifix in der Kirche nicht nur die Züge des Gekreuzigten trägt, sondern mehr noch die des Erlösten. Und die Hoffnung des damaligen Pfarrers Christian bei seiner ersten Predigt vor 50 Jahren in der neuen Erlöserkirche hat sich erfüllt: „Dass es recht bald heißen wird: unsere Erlöserkirche.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. April 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Gunda Höppner ist Pfarrerin in Niederrad.

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