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Von – 1. Juni 2006

Abschied in die Allmacht

Es ist schwer vorstellbar, wie Jesus nach seiner Auferstehung von seinen Jüngerinnen und Jüngern Abschied nahm und zum Himmel „auffuhr“. Lukas erzählt das am Ende seines Evangeliums sehr knapp. Vordergründig löst die „Himmelfahrt“ das Problem, dass Jesus zwar nach seiner Auferstehung von einigen gesehen wurde, später dann aber nicht mehr.

Allerdings hat der Himmel hier nichts mit Wolken und Sternen zu tun. Wer im „Himmel“ ist, hat die Herrschaft über alles. Jesu „Himmelfahrt“ markiert also einen symbolhaften Ortswechsel und bedeutet, dass er jetzt die Welt regiert; er hat „alle Gewalt im Himmel und auf Erden“. So erklärt sich auch, dass die Jünger nach der Himmelfahrt fröhlich nach Jerusalem zurückkehrten: Jesus, der ganz unten gewesen ist, von allen als Verbrecher verachtet und als Gottloser verspottet, ist jetzt ganz oben, der Erste. Und der Auferstandene ist nicht mehr nur lokal wirksam, sondern global. Er hat sich von den Jüngern distanziert und ist ihnen doch näher als jemals zuvor, im wahrsten Sinne des Wortes allgegenwärtig. Er ist nicht mehr nur ihnen zugewandt, sondern all seinen Brüdern und Schwestern. Seine Gegenwart und Macht werden also ins Unendliche potenziert. Mit Christus im Regiment hat die Kirche Zukunft. Noch gibt es Böses in der Welt, aber es wird fallen wie ein Baum, an dessen Wurzel bereits die Axt gelegt ist.

Es liegt nahe, diesen „Herrschaftsantritt“ Christi gebührend zu feiern – nicht nur mit Saft und nicht nur in der Kirche, sondern auch draußen im Freien, weil Christus ja überall der König geworden ist. Tatsächlich steht der „Vatertag“ in der Tradition, an Himmelfahrt in einer „Apostelprozession“ den Weg der Jünger an den Ort des Abschiedes nachzugehen. Ebenso knüpft er an germanische Flurumgänge an, mit denen Grundeigentümer zum Zweck der Anspruchssicherung einmal im Jahr ihren Besitz umreiten oder umschreiten mussten. In christlicher Zeit wurde dabei Gottes Segen für die Ernte erbeten. Dabei soll übrigens schon im Mittelalter der Alkohol eine größere Rolle gespielt haben als das Weihwasser.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juni 2006 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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