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Von – 1. Juni 2006

Sich einfach verstehen

Fünfzig Tage nach Ostern in Jerusalem: Von den Anhängern und Anhängerinnen Jesu hatte man lange nichts mehr gehört. Nach Jesu Tod am Kreuz waren sie verschwunden. Obwohl Jesus von einigen Frauen und den Jüngern gesehen worden war, hielten sie sich verwirrt und ängstlich versteckt. Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte…

Burkhard Sulimma ist Pfarrer in der Martinusgemeinde in Schwanheim.

Am Pfingstfest feierten die Menschen in Israel die Übergabe der Zehn Gebote – der Thora – an Moses. Mit den Geboten hatten sie die Regeln für ihre Gemeinschaft erhalten, hatte Gott selbst zu ihnen gesprochen. Aus diesem Anlass zogen viele Pilger von überall her nach Jerusalem.

Da würden auch die Anhängerinnen und Anhänger Jesu nicht auffallen. Zum ersten Mal kamen sie wieder alle an einem Ort zusammen. Sie redeten aufgeregt miteinander über alles, was ihnen in den letzten Wochen begegnet war. Sie redeten sich die Köpfe heiß. Verstanden, dass Jesus es völlig ernst gemeint hatte, als er sagte, ihr seid Salz und Licht der Welt! Seid nicht nur zu euren Brüdern freundlich! Ihr sollt vollkommen sein! Immer wieder wiederholten sie sich Jesu Worte, bis ihnen ein Licht aufging.

Da waren sie plötzlich Feuer und Flamme. Jetzt hatte Jesu Geist von ihnen Besitz ergriffen. Jesus musste erst sterben und dann als der Auferstandene zu ihnen sprechen, damit sie begreifen konnten, was er schon immer von ihnen verlangt hatte. Sie sollten nicht einfach nur hinter Jesus herlaufen, sondern selbst Verantwortung übernehmen: das heißt, reden und leben wie Jesus. Sie waren überwältigt. Alle Furcht fiel von ihnen ab. Sie strahlten. Ihre Augen leuchteten, und es hielt sie nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie rannten vor die Tür und begannen zu den Menschen, auf die sie trafen, von Gottes großen Taten zu reden. Und das Merkwürdige war: Die anderen schienen sie zu verstehen, auch diejenigen, die nicht ihre Sprache sprachen.

Sich einfach verstehen. Solche Wunder gibt es auch heute noch. Jedes Jahr findet in Schwanheim zu Ostern ein internationales Fußballturnier der A-Jugend statt. Es nehmen Mannschaften aus dem In-und Ausland teil. Das faire Kräftemessen junger Menschen ist immer wieder ein Erlebnis. Der Schwanheimer Verein heißt Germania, aber er vereint, wie auch die anderen Mannschaften, Spieler mit weißer und dunkler Hautfarbe aus vielen Ländern. Die Herkunft ist nicht interessant, wohl aber das gemeinsame Ziel. Miteinander um den Sieg zu kämpfen nach von allen anerkannten Regeln. Sich mit sportlichem Geist streiten, ohne sich zu hassen. Im anderen wohl den Gegner sehen, aber niemals den Feind. Das macht Freude und verbindet Menschen, die sich bis zu diesem Tag völlig fremd waren. Das allein ist schon ein Wunder.

Aber es geht noch weiter. Im Endspiel spielte der FSV-Frankfurt gegen eine Prager Mannschaft. Neben mir hörte ich aufgeregte Stimmen in einer frem-den Sprache. Ein Ehepaar war außer sich vor Begeisterung. Ohne Probleme erkannte ich, dass ihre Anfeuerungsrufe dem FSV galten und ihrem Sohn, der beim FSV spielte. Wir tauschten freundliche Blicke aus und verstanden uns.

So wird es hoffentlich auch bei uns in Frankfurt und in der ganzen Bundesrepublik sein, wenn es denn losgeht mit der Fußball-Weltmeisterschaft und den Mannschaften und Fans aus aller Herren Länder. Alle dürfen von ihrem Sport begeistert sein. Alle wollen natürlich gewinnen oder ihre Mannschaft gewinnen sehen. Nun steht es aber schon vorher fest, dass dies nur einer Mannschaft gelingen kann. Und dennoch können alle miteinander gewinnen und Sieger sein, wenn sie es schaffen, auf dem Rasen und außerhalb des Rasens die Regeln des Sports gelten zu lassen.

Machen wir den Anfang. Machen wir keinen Unterschied zwischen den Menschen, aus welchem Teil der Erde sie auch kommen, und seien wir freundlich zu jedermann. Dann kann es losgehen und ein großes Fest für viele werden.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juni 2006 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Burkhard Sulimma ist Pfarrer in der Martinusgemeinde in Schwanheim.

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