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Von – 1. September 2006

Kein „Land ohne Hoffnung“

Beiruter Pfarrerin berichtete über die Lage im Libanon

Ist der Libanon ein „Land ohne Hoffnung“? Trotz des jüngsten Krieges glaubt das die Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Beirut, Friederike Weltzien, nicht. Von ihren Erfahrungen in dem krisengeschüttelten Land, in dem sie seit sieben Jahren arbeitet, berichtete sie in der Evangelische Stadtakademie am Römerberg.

Als Symbol des Friedens lud ein libanesischer Zedernzweig in der Alten Nikolaikirche am Römerberg ein, der Hoffnung auf Versöhnung und Frieden im Nahen Osten Ausdruck zu verleihen. Die „Zedern des Libanon“ stehen in der Bibel für das kommende Reich Gottes, das von Frieden und Gerechtigkeit gekennzeichnet ist. Foto: Oeser

Der Libanon sei eine „fantastische Mischung aus Orient und Okzident, aus christlicher und muslimischer Kultur“, so Weltzien, die die einzige Frau im Pfardienst im ganzen Nahen Osten ist. Christen und Muslime lebten im Libanon seit 1400 Jahren einvernehmlich zusammen. Die 17 verschiedenen Konfessionen grenzten sich zwar klar voneinander ab, dennoch begegne man einander mit Achtung und Respekt. Auch die deutschsprachige evangelische Gemeinde sei ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft. Die Kirche liege inmitten des muslimischen Viertels von Beirut, und zu den umliegenden Moscheen existiere eine „ausgezeichnete Nachbarschaft“, nicht zuletzt wegen der „alten libanesischen Tradition“, religiöse Feste gemeinsam zu feiern. Auch zu Gebeten fänden Christen und Muslime immer wieder zusammen.

Die multireligiöse Lebenskultur sei im Libanon fest verwurzelt. Nur wenn Gefahr drohe, zögen sich die Menschen in ihre angestammte Gemeinschaft zurück. Nach dem Mord an Ministerpräsident Rafik al-Hariri hätten aber viele beschlossen, sich stärker über die nationale als über die religiöse Zugehörigkeit zu definieren. Diese Entwicklung habe der jüngste Nahostkrieg ebenso zerstört wie den Aufbruch zur Demokratie.

Auch Ilona Klemens, Pfarrerin für interreligiösen Dialog, sieht die Entwicklung des Libanon weit zurückgeworfen. Die neuen Kämpfe hätten vor allem die religiös-fundamentalistischen Kräfte gestärkt. Zuvor habe die Mehrheit der Libanesen für eine Entwaffnung der Hisbollah gestimmt, jetzt sympathisierten selbst Christen mit der schiitischen Organisation. Klemens bedauert dies um so mehr, als sie während eines mehrmonatigen Studienaufenthaltes im vergangenen Jahr das friedliche Zusammenleben der Ethnien und Religionen persönlich erfahren konnte. Nach Einschätzung der Theologin war der Libanon im Begriff, sich als Modell zu etablieren.

Als modellhaft könne man auch das soziale und interreligiöse Engagement der evangelischen Gemeinde in Beirut bezeichnen. Friederike Weltzien war beim Ausbruch der Kämpfe gerade dabei, mit Frauenorganisationen und Botschaften das erste Frauenhaus im Libanon zu gründen. Nicht nur dieses Projekt sei von einer Minute zur anderen zusammen gebrochen. Weltzien fragt sich nun zwar, „woran man anknüpfen kann“, doch entmutigen lässt sie sich nicht. Sofort nach dem Waffenstillstand habe die Gemeinde ein Projekt ins Leben gerufen, das in einem christlich-muslimischen Dorf die Installation einer Solarstromanlage vorantreiben soll.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. September 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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