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Von – 1. September 2006

Überblick am Frankfurter Berg

„Das ist ein Berg, auf dem man den Überblick über die Stadt behält. Und man sieht den Taunus.“ Von seinem Büro im oberen Stockwerk kann Henryk Chrostek, Altenpfleger der Bethaniengemeinde in der Hochhaussiedlung auf dem Frankfurter Berg, den Blick über die Siedlung schweifen lassen. Bethanien ist in der Bibel ein armer Vorort von Jerusalem, „wo die Feigen nicht reif werden“, wie der jüdische Talmud erklärt. Auf die Bethaniengemeinde trifft das nicht zu.

Als „Notkirche“ wurde sie nach dem Krieg gebaut, heute steht sie unter Denkmalschutz: Die Bethanienkirche am Frankfurter Berg. Foto: Oeser

„Der Frankfurter Berg ist viel bunter als sein Image“, betont Pfarrer David Schnell, der seit viereinhalb Jahren für die knapp 1500 Gemeindemitglieder zuständig ist. Grün ist die vorherrschende Farbe rund um die Kirche und im Stadtteil. Die ältesten Häuser wurden in den 30er Jahren gebaut, dann kamen die Siedlungen und die „Notkirche“ nach dem Krieg, die Wohnwagensiedlung „Bonameser Weg“ der Schausteller in den 50ern, die vier weit sichtbaren Hochhäuser mit teilweise zwanzig Stockwerken in den 70ern, und zuletzt die US-Kasernen, in denen heute viele junge Familien wohnen, und das Neubaugebiet „Taunside“.

„Die Gemeinde ist mit dem Stadtteil gewachsen“, fasst Pfarrer Schnell zusammen. Wahrgenommen wird sie auch hier bei vielen über die Kindertagesstätte mit Hort, die mit vielen Nationalitäten die Buntheit des Stadtteils widerspiegelt. Offen für alle, ein Ort der Geselligkeit und zum Wohlfühlen möchte die Bethaniengemeinde sein – darum wurden die WM-Spiele im Gemeindesaal auf Großbildleinwand übertragen. Das evangelische Profil sieht Schnell in der Gemeinde als geistlicher Heimat: „Ein Ort, wo Gottes gute Verheißung spürbar wird“. Dazu gehören Gottesdienste, Kindergottesdienste und Andachten, Musik und Kunst in der Kirche, Bibelgesprächskreis, Posaunen- und ökumenischer Kirchenchor und zwei Gospelchöre.

Vieles geht nur durch ehrenamtliche Mitarbeit: „Ob in der Kinder und Jugendarbeit des Evangelischen Jugendwerks oder in der Frauenhilfe – es gibt sehr viele helfende Menschen“, weiß Schnell. In Bethanien hat das Tradition. Als 1949 die Kirche eingeweiht wurde, hatten viele Gemeindemitglieder mitgebaut. Eine „Notkirche“ war es, die Architekt Otto Bartning errichten ließ, eine von den 49, die er nach dem Krieg entwarf. Einfache Materialien, viel Holz, die Decke erinnert an den Bauch eines Schiffes – eine warme Atmosphäre strahlt die unter Denkmalschutz stehende Kirche bis heute aus. Die Gemeindemitglieder sind ihr immer noch besonders verbunden, und eine Rarität ist sie außerdem: Eine ähnliche Kirche gibt es nur noch einmal auf der Welt, in Emden.

Hier auf dem Frankfurter Berg achtet man darauf, dass „die Feigen reif werden“. Im Hochhausgebiet wurde mit dem Einzug der Bewohner eine Stelle errichtet, bezahlt von der Stadt Frankfurt, inhaltlich begleitet von der Bethaniengemeinde. Menschen ab dem 60. Lebensjahr erhalten hier Beratung, Seel­ sorge, Vermittlung von Hilfe. „Die Gefahr der Vereinsamung ist groß in den Hochhäusern“, sagt Henryk Chrostek. Drogen spielen eine Rolle bei den Jugendlichen, die ihren Stadtteil selbst „Ghetto“ nennen. Chrostek sieht das ein bisschen anders: „Es lässt sich auch gut hier wohnen, es ist so viel Pioniergeist zu spüren!“

Oder, mit der Übersetzung des biblischen Namens Bethanien: Hier ist ein „Ort, wo man sich des Elends annimmt“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. September 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Gunda Höppner ist Pfarrerin in Niederrad.

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