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Von – 1. November 2006

Die Bibel als Fundgrube

Die Buchmesse ist vorbei, die Abende werden länger – warum nicht mal schmökern in Büchern, die schon lange im Schrank stehen, in die man aber selten einen Blick geworfen hat? Zum Beispiel in der Bibel also. Die folgenden Tipps eignen sich auch für Lesende, die sich darin nicht auskennen.

Für Wissenschaftler empfiehlt sich die erste Schöpfungsgeschichte gleich am Anfang. Faszinierend das babylonische Weltbild: Die Erde eine Scheibe, darüber eine Art Käseglocke als Himmel und alles darum herum ist Wasser. Pikant: Die Sterne sind bei den Babyloniern Gottheiten – in der Bibel heftet Gott sie einfach so an den Himmel. Strenge Struktur durch Einteilung in sieben Tage. Doch die Aussage lautet nicht: „So und so ist es gewesen“, sondern: „Mensch, erkenne deine Bedeutung und Aufgabe in der Welt.“

Für Literaturfreunde kommt eine Novelle in Betracht, nämlich die Josephsgeschichte, (1. Mose 37ff): Vaters Liebling hält sich für etwas Besseres, wird übel gedemütigt von seinen Brüdern und kommt als Sklave auf einen ägyptischen Markt. Erstaunlich, wie er aus den Tiefpunkten immer wieder herausfindet. Es kommt, wie es kommen muss: Er trifft seine Peiniger wieder, aber die erkennen ihn nicht. Nun spielt er mit ihnen böse Spielchen – bis zur tränenreichen Versöhnung.

Für Liebende gibt es kaum Erotischeres als das Hohelied (Altes Testament, besonders Kapitel 4). Allerdings sollte die Holde einen intensiven Bezug zur Landwirtschaft haben, sonst bringen die Bilder sie zum Lachen. Die Beschreibung beginnt bei den Augen und geht dann zielsicher abwärts.

Für Einsame bringt der Psalm 23 (Altes Testament) ein Nonplus­ ultra an Trost, den man auch leicht auswendig lernen kann (besonders poetisch in der Luther-Übersetzung). Merke: Gott macht deine Wege nicht eben und hell, aber er begleitet dich auch auf den dunklen und schwer begehbaren.

Für Gesellschaftskritiker ist der Prophet Amos eine Fundgrube (Altes Testament), der zum Beispiel in Kapitel 5,11ff nichts vom Besuch eines Gottesdienstes hält, wenn man im Alltag andere ausbeutet und unterdrückt.

Für Diskussionsfreudige sei die Bergpredigt genannt (Neues Testament, Matthäus 5,1 – 7,29). Ist bei weitem nicht so lang wie eine Predigt, bietet aber unendlich mehr Stoff zum Diskutieren: Sollte man wirklich dem Schläger die andere Backe auch noch hinhalten? Kann man seine Feinde lieben? Jesus mutet da einiges zu – wer das gelesen hat, verliert jegliche Selbstgerechtigkeit.

Für Reiselustige sind die Missionsreisen des Apostels Paulus (Neues Testament, Apostelgeschichte 13-21) möglicherweise eine gute Planungsgrundlage für eigene Abenteuer zu Lande und zu Wasser.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. November 2006 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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