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1. November 2006

Frankfurt kritisiert Landeskirche

Differenzen über kirchliche Strukturen in der Stadt und auf dem Land

Zu einer Auseinandersetzung zwischen den Gemeinden in Frankfurt und der Landeskirche in Darmstadt ist es über die Frage der Selbstverwaltung und Finanzierung kirchlicher Arbeit in der Großstadt gekommen. Breite Unterstützung bekam die Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt, als sie vor dem Frankfurter Kirchenparlament die Kirchenbehörde scharf kritisierte. Anlass waren Pläne, in Frankfurt noch einmal neun Stellen in der gemeindepä­dagogischen Arbeit zu streichen, während man gera­ de dabei ist, die im vergangenen Jahr verordnete Reduzierung von 44 auf 24 Stellen möglichst sozialverträglich zu bewältigen. Das sei „fast ein Kahlschlag für jegliche gemeindepädagogische Arbeit“, so Gebhardt. Vor allem warf sie der Landeskirche vor, die Frankfurter Gemeinden und Dekanate nicht an den Beratungen zu beteiligen und regionale Besonderheiten nicht zu berücksichtigen: „Die Unberechenbarkeit wächst.“

Einige Delegierte gingen noch weiter und kritisierten eine „Attitüde der Bevormundung“ seitens der Landeskirche. Eine solche Einschätzung weist Stephan Krebs, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), zurück. Frankfurt werde an allen Beratungen beteiligt. „Hier im Haus versteht man die Schärfe der Kritik nicht.“

Das Problem ähnelt den Verteilungskämpfen zwischen der Stadt Frankfurt und Kommunen im Umland: Geht man bei der Verteilung von Kirchensteuern nur nach der Pro-Kopf-Zahl von Kirchenmitgliedern vor, so ergeben sich daraus Ungerechtigkeiten, weil in Frankfurt vieles an Infrastruktur wie Beratungsstellen oder Kulturangeboten vorgehalten wird, das auch von Pendlern aus dem Umland genutzt wird. Zudem muss die Kirche in der Großstadt Aufgaben wahrnehmen, die sich in ländlichen Bereichen so gar nicht stellen: Etwa das komplexe Thema der Integration von Migrantinnen und Migranten, speziell der Jugendlichen, oder den Dialog mit anderen Religionen. Vor allem im Bereich der Jugendsozialarbeit finanziert die Stadt Frankfurt so manche Stelle in kirchlichen Einrichtungen mit, sodass Stellenstreichungen auch diese Ko-Finanzierungen gefährden können. Der Vorstand des Regionalverbandes hat deshalb beschlossen, eine weitere Kürzung von Stellen im Bereich der Gemeindepädagogik vorerst nicht umzusetzen.

Die Differenzen betreffen aber nicht nur die Finanzierung der übergemeindlichen Arbeitsbereiche, sondern auch die Frage, wer darüber entscheidet. Sie habe den Eindruck, „dass einige Verantwortliche in der EKHN den Frankfurter Regionalverband als ein lästiges Übel sehen, das man im Grunde genommen so schnell wie möglich abgeschafft wissen will“, sagte Gebhardt. In Frankfurt haben sich die einzelnen Gemeinden vor über hundert Jahren zu einem Verband zusammen geschlossen und verwalten sich weitgehend selbst. Seit einigen Jahren nun versucht man auch im übrigen Kirchengebiet, eine solche „mittlere Ebene“ einzuführen und gibt dafür landesweit einheitliche Kriterien vor, die deutlich weniger Selbstverwaltung zulassen (siehe auch Kommentar)

Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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