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1. November 2006

„Väter machen es richtig“

Wochenendurlaub mit dem Evangelischen Jugendwerk

Fast liegt so etwas wie Urlaubsatmosphäre über dem Gelände. Manche halten Mittagsschlaf, einer liest Zeitung, ein Tischtennisball klackert über die Platte, mehrere Kinder drängen sich um ein Buch. Aber keines von ihnen hängt sich an den Rockzipfel von Mutter, Großmutter oder Kindermädchen – sie umringen alle Vorleser Harald Hoffmann. Er ist einer der zwanzig Männer, die sich auf dem Vater-Kind-Wochenende im Haus Heliand in Oberstedten befinden. „Wunderbar entspannend“ empfindet der Vater das Wochenende. „Ich habe gar keine Zeit für Heimweh, weil wir so beschäftigt sind“, sagt sein Sohn Hagen. „Waaas?“, fragt sein Vater, er kann es kaum glauben: „Du vermisst deine Mutter wirklich nicht?“ Und Tochter Rieke sagt: „Am liebsten habe ich das Klettergerüst.“

Zeckenschutz einreiben ist wichtig: Vater Harald Hoffmann mit Tochter Rieke beim Vater-Kind-Wochenende im Taunus. | Foto: Magirius

Zeckenschutz einreiben ist wichtig: Vater Harald Hoffmann mit Tochter Rieke beim Vater-Kind-Wochenende im Taunus.
Foto: Magirius

Seit 15 Jahren bietet das Evangelische Jugendwerk Frankfurt diese Wochenenden an. „Natürlich wollen wir die Vater-Kind-Beziehung vertiefen“, sagt Hans-Conrad Blendermann, der die Wochenenden leitet. Aber keinem werde ein schlechtes Gewissen gemacht. „Wir sagen gleich zu Beginn zu den Vätern diesen einen Satz: ‚Ihr macht es richtig.’ Das Wochenende selbst ist schon ein Gewinn für Papa und Kind.“

Womöglich liegt deshalb diese entspannte Stimmung über dem sonnendurchfluteten Herbst-Nachmittag. „Man ist aus dem Alltag herausgehoben“, sagt Sven Bergner: „Nicht wie sonst am Wochenende gilt es den Kühlschrank zu füllen“, sagt er und steckt sich gemütlich eine Zigarette an. „Hier gibt es kein Internet, kein Telefon. Man muss auch keine neue Couch kaufen.“ Mehr als die Hälfte der Väter lassen dem ersten Wochenende weitere folgen. „Seit dem dritten Mal ist es für mich Erholung“, sagt Martin Oswald. „Die Andachten und die Fragen der Kinder regen mich an, neu über den Glauben nachzudenken. Da entsteht viel mehr als bei einem Sonntagsgottesdienst.“

Am Vormittag haben die Männer untereinander über Computerspiele diskutiert. Jetzt, nach der Mittagspause, scheint aus dem Wochenende ein einziges großes Kinderspiel zu werden – auch für die Väter. Sie reisen als Piraten ins Taka-Tuka-Land, und um die Muskeln zu trainieren, werden väterschwere Möhren aus der Erde gezogen. Dann besteigt man das Schiff, Feinde werden mit Wasser sprühenden Kanonen abgewehrt. Wieder an Land geht es in den dunklen Taunuswald hinein. Die Schiffsbesatzung hangelt sich über eine gefährliche Schlucht. „Drei mal drei ist neun“, klingt das bekannte Pippi-Langstrumpf-Lied durch den Wald, nicht hell im Kindersopran, sondern im sonoren Bass. „So ungefähr war das doch? Klingt jedenfalls schon sehr gekonnt“, nickt Sven Bergner seinem Gesangspartner zufrieden zu.

Väter tragen an diesen Wochenende viele Namen – nicht einer lautet Erzeuger, Ernährer oder Geldverdiener. Sie heißen Piraten, Vorleser, Sänger und Spieler. Es mutet an wie Urlaub, aber nicht wie ein Familienurlaub.

„Es ist ganz anders, als wenn Mütter dabei sind“, lachen Martin Oswald und Sven Bergner. „Man muss nur in die Zimmer schauen. Chaos! Die Betten sind nicht gemacht. Die Mutter hat zwar eine große Tasche gepackt, aber drei Viertel der Sachen bleiben drin. Eine Kluft reicht doch – die Piratenkluft.“

Georg Magirius

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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