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1. Dezember 2006

Flügge werden im Ausland

Diakonisches Jahr bietet jungen Erwachsenen Einsatzorte in 14 Ländern

Am 12. August war es soweit: Die neunzehnjährige Hannah Koehring aus Frankfurt sitzt im Zug nach Örebro, einer Stadt in Mittelschweden, etwa 200 Kilometer westlich von Stockholm. Nach dem Abitur will sie erst einmal Lebenserfahrung in einem diakonischen Jahr sammeln.

Auf der Internetseite www.dija.de (Diakonisches Jahr im Ausland) hatte sie das Angebot des evangelischen Freiwilligendienstes entdeckt. Der bietet jungen Leuten zwischen 18 und 25 an, neun bis zwölf Monate in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten, in 14 Ländern Europas. In Großbritannien und den Niederlanden ist vor allem die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen gefragt, in Frankreich und Belgien kommen die jungen Leute in Altenheimen zum Einsatz, in Osteuropa in Jugendeinrichtungen oder Roma-Projekten.

Die Frankfurterin Hannah Koehring - Mitte - und drei andere deutsche Freiwillige hatten in ihrem diakonischen Jahr viel Spaß – so auch bei ihrem Einsatz beim „Världensfest“, einer Art schwedischer Kirchentag. | Foto: Koehring

Die Frankfurterin Hannah Koehring – Mitte – und drei andere deutsche Freiwillige hatten in ihrem diakonischen Jahr viel Spaß – so auch bei ihrem Einsatz beim „Världensfest“, einer Art schwedischer Kirchentag.
Foto: Koehring

Und jetzt sitzt Hannah im Zug und hat auf einmal Angst vor der eigenen Courage. Zumal sie ja nur zehn Abende lang Schwedisch gelernt hat. Am stärksten ist das Fremdheitsgefühl, als sie nach stundenlanger Fahrt erschöpft in ihrer ersten eigenen Wohnung sitzt und die kahlen Wände anstarrt. „Das war eigentlich das einzige Mal, wo ich sofort wieder nach Hause wollte“, erzählt sie. In der Gemeinde, zu der drei Gemeindehäuser, acht Pfarrer und Pfarrerinnen, zwei Diakoninnen und die „hosmor“, eine Art Küsterin, gehören, gibt es viel zu tun. Zum Gottesdienst, an dem Hannah jeden Sonntag teilnimmt, kommen rund 180 Menschen. Am Anfang backt Hannah oft Kuchen in der Küche und arbeitet mit Kindergruppen, von denen sie viele schwedische Wörter lernt. Ein zusätzlicher Sprachkurs wird ihr finanziert. Nach sechs Monaten wechseln ihre Aufgaben: Sie arbeitet im Jugendcafé, in der Krankenhauskirche und der Erwachsenenfortbildung. Hannah ist aber nie allein verantwortlich: Sie soll die Hauptamtlichen unterstützen, nicht ersetzen.

Die Neunzehnjährige lernt schwedische Weihnachten kennen und tanzt um den typischen Mittsommer-Baum. Ihr gefällt, dass in Schweden alle Frauen berufstätig sind und der Staat viel kinderfreundlicher ist. Sie reist durch das ganze Land – sei es mit dem Jugendchor der Gemeinde oder um andere Freiwillige in Stockholm zu treffen. Am Ende fällt der Abschied schwer. „Es war ein tolles Jahr. Ich bin viel selbstständiger geworden und habe auch gelernt, mal alleine zu sein. Ich kann jetzt fließend Schwedisch und habe mich auch mehr mit Deutschland auseinander gesetzt. Mein Glaube hat sich vertieft. Ich habe das Gefühl, ich könnte jetzt sogar nach Afrika gehen.“

Die Teilnahme am diakonischen Jahr kostet 1250 Euro, je nach Land bekommt man 80 bis 190 Euro Taschengeld im Monat. Das Jahr ist als Ersatz für den Zivildienst anerkannt. Mehr Informationen unter www.dija.de oder Telefon 0511-450008340. Einsatzorte für ein freiwilliges soziales Jahr in Deutschland bietet die Diakonie ebenfalls, und zwar unter www.fsj-web.de.

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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