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1. Dezember 2006

Ganz nah am Leben Jesu

Zum ersten Mal sind älteste Bibel-Handschriften im Original zu sehen

1930 in der Nähe der Oase Fayum am Nil: Beschrie­be­ne Papyrusblätter wer­ den in Tonkrügen auf einem koptischen Friedhof gefunden – ein Stück aus dem Matthäusevangelium, in griechischer Sprache. Rasch gelangen die Funde, die sich im ägyptischen Wüstensand bestens konserviert haben, nach Kairo. Dort werden sie im Antikenhandel angebo­ten. Hauptkäufer ist der englische Sir Alfred Chester Beatty, der gera­de durch Ägyp­ten reist.

Der „Chester Beatty“ ist das Prunkstück der Ausstellung „Alles Echt“, die jetzt im Frankfurter Erlebnismuseum Bibelhaus zu sehen ist: Das im Jahr 250 beschrie­bene Papyrus-Fragment ist der älteste be­kannte Beleg eines Evan­ge­liumstextes. „Ein frü­h­eres Zeug­nis ist bis jetzt noch nicht gefunden worden“, sagt Muse­umsleiter Jürgen Schefzyk fast ehrfürchtig. „Näher kommt man kaum an das Leben von Jesus heran.“

Die Geschichte von der Salbung in Bethanien aus dem Matthäusevangelium findet sich auf diesem Blatt des „Chester Beatty“-Papyrus. Es ist der älteste überlieferte Beleg eines Evangeliumstextes. | Foto: Papyrussammlung, Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Die Geschichte von der Salbung in Bethanien aus dem Matthäusevangelium findet sich auf diesem Blatt des „Chester Beatty“-Papyrus. Es ist der älteste überlieferte Beleg eines Evangeliumstextes.
Foto: Papyrussammlung, Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Eine ganze Reihe von frühes­ten Bibel-Belegen stammt aus Ägypten, das neben Syrien zu den Zentren der frühen Christenheit gehörte. Schon bald nach Jesu Tod wurden dort Texte, die in der Jesusbewegung entstanden waren, abgeschrieben, übersetzt und in den christ­li­ch­en Gemeinden verbreitet. Zum ersten Mal in Deutsch­ land werden diese auf Papyrus oder Perga­ment aufgezeichneten Texte nun im Ori­ginal ausgestellt. „Die Bibel“, sagt Schefzyk, „ist ja nicht vom Him­mel gefallen. Das Christentum ist eine Schriftreli­gion, und ich halte es für unsere Pflicht, der Öffentlichkeit die ältesten bekannten Zeugnisse zugänglich zu machen.

Das im Jahr 2003 gegrün­dete „Erlebnismuseum“ zieht mitt­ler­weile weit mehr Besucher­innen und Besucher an als ursprünglich geplant: Rund 25000 Menschen pro Jahr wol­­len die Bibel „erleben“, darunter viele Schulklassen. Deshalb das Museum kürzlich zusätzliche Kel­lerräume angemietet. Anders als in den oberen Räumen, wo man fast alle Exponate anfassen und sinnlich erleben kann, wurde der Keller als „Hochsicherheitstrakt“ eingerichtet, damit dort wertvolle Exponate wie diese Papyri ausgestellt werden können.

Wer sich die insgesamt 72 Objekte der Ausstellung – Papyri, Pergamente und Tonscherben – erschließen möchte, kann ent­weder eine Führung mitmachen oder einen elektronischen Museumsführer ausleihen. Denn „Alles Echt“ wird umso interessanter, je mehr Hintergründe und Details man weiß. Ein fast leeres Bücherregal, die „Bibliothek der Leerstellen“, macht sichtbar, wie wertvoll die gezeigten Handschriften sind: Der größte Teil alt-christlicher Dokumente existiert heute nicht mehr. Manche der mit Bibelsprüchen, Psalmen oder Engel­ namen beschriebenen Papyri dokumentieren den Übergang vom Heiden- zum Christentum, denn sie wurden als Schutzamulette um den Hals gehängt, manche enthalten auch noch das Zeichen des ägyptischen Sonnengottes. Ab dem dritten Jahrhundert setzte die Christianisierung in den Schulen ein, wie einige Schul­heft-Papyri zeigen, in denen es sogar Strichmännchen gibt.

Wer möchte, kann auch selbst aktiv werden: Zum Beispiel einen Papyrus beschreiben oder ein Schutz-Amulett herstellen und

bearbeiten, mit antikem Werkzeug und unter der Anleitung eines erfahrenen Goldschmiedes. Die Ausstellung „Alles Echt“ ist noch bis zum 20. April 2007 im Bibelmuseum, Metzlerstraße 19, zu sehen. Mehr Informationen unter www.bibelhaus-frankfurt.de.

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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