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1. Dezember 2006

Keiner ist zuständig

„Runder Tisch“ zur Prostitution eingeschlafen

Die Stadt Frankfurt solle den „Runden Tisch zur Prostitution“ wiederbeleben, hat Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werkes im Evangelischen Regionalverband, gefordert. Seit einigen Jahren sei die Arbeit dieses Gremiums, in dem Beratungsstellen, Polizei, Ordnungsamt und Kirchen zusammenarbeiten, praktisch eingeschlafen, weil kein Dezernat sich dafür zuständig erkläre. Bei einer Podiumsdiskussion aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der kirch­lichen Prostituierten-Beratung „Tamara“ forderte Frase die beim Jubiläum anwesende Bürgermeisterin Jutta Ebeling auf, hier Abhilfe zu schaffen.

Aufgabe des „Runden Tisches“ war es gewesen, praktische Lösungen für die alltäglichen Probleme zu finden, die sich sozial, stadtplanerisch und ordnungspolitisch aus der Prostitution ergeben, insbesondere im Bahnhofsviertel. Hier waren auch Anregungen und Ideen entwickelt worden, deren Umsetzung bislang jedoch nicht angegangen wurde. Ebeling, die auch das Dezernat „Frauen und Bildung“ leitet, erklärte sich „offen für neue Gespräche“, wies aber darauf hin, dass das Thema Prostitution eines sei, mit dem kein Politiker gerne in Zusammenhang gebracht werden wolle. Die Männer in den Leitungen der anderen Dezernate könnten nicht wie selbstverständlich davon ausgehen, dass dieser Bereich im Frauendezernat anzusiedeln sei. Schließlich betreffe das Thema Männer in gleichem Maße.

Ebeling lobte den „akzeptierenden Umgang mit Prostituierten“, der die Grundlage der Beratung von „Tamara“ bildet. In einer Stadt wie Frankfurt, in der Prostitution ein blühendes Gewerbe sei, müsse sachlich und professionell damit umgegangen werden. Im Mittelpunkt der Beratung, so Frase, stehe immer die einzelne Frau mit ihrer Lebenssituation. Die Beraterinnen hätten ein spezielles Programm zum Ausstieg aus dem Beruf entwickelt und eine Schuldnerinnenberatung aufgebaut. Denn vor allem Schulden hinderten viele Frauen daran, sich einen anderen Beruf zu suchen. Die Beratungsstelle wolle aber auch der Stigmatisierung, Benachteiligung und Ausgrenzung von Prostituierten entgegenwirken.

In der abschließenden Talkrunde unterstrich Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, es sei gut, dass immer weniger moralisierend mit dem Thema umgegangen werde. Es sei notwendig, Prostituierten soviel rechtlichen Schutz zukommen zu lassen wie irgend möglich. Wenn aber eine Million Männer täglich zu Huren gingen, müsse doch vor allem über gesellschaftliche Leitbilder nachgedacht werden. Es könne nicht hingenommen werden, dass Männer Frauen kauften, statt Beziehungen auf Augenhöhe einzugehen. Dies müsse Thema ethischer und theologischer Diskussion bleiben.

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2006 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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