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1. Dezember 2006

Telefonseelsorge: Immer jemand da

November. Keine Lust zu gar nichts. Und niemand in der Nähe, mit dem man reden kann. Katze gestorben. Akute Ehekrise. Job verloren. Psychisch krank. Durchs soziale Netz gefallen.

In allen kleineren und großen Krisen des Alltags rufen Menschen – zwei Drittel davon Frauen – bei der Telefonseelsorge an. Seit vierzig Jahren bieten die Kirchen auch in Frankfurt diesen Service an, allein auf evangelischer Seite führen rund 55 Ehrenamtliche

15000 Gespräche im Jahr. Die dafür speziell ausgebildeten Seelsorgerinnen und Seelsorger hören genau zu, helfen zu sortieren und zu strukturieren – nicht das große Ganze, sondern den nächsten Schritt. „Niemand ist doch nur traurig, depressiv oder eingeengt durch Geld­ mangel“, sagt die Leiterin Heide Lemhöfer. „Wir glauben sozusagen stellvertretend an die Fähigkeiten, die jeder in sich trägt und versuchen, Spuren von Kräften nachzugehen. So lässt sich vielleicht herausfinden, dass jemand gerne Musik hört, spazieren geht oder kocht. Dann scheint der Tag schon weniger grau.“

In großen Krisen – Trennung, Tod, auch bei beginnender Demenz – begleitet die Telefonseel­ sorge manche Ratsuchenden auch über einen längeren Zeitraum. Viele wollen gerade keine psychologische Beratungsstelle aufsuchen, sondern schätzen die Anonymität des Telefons. „Manche wür­ den den direkten Kontakt auch gar nicht aushalten“, glaubt die Pfarrerin und Familienberaterin Lemhöfer. „Am Telefon sieht man ja nicht, wie es in einer Wohnung aussieht oder ob jemand von Hartz IV lebt. So kann ein Anrufer ungehemmt erzählen, wie es in ihm aussieht und sich eine zeitlang aus dem Alltagselend herausheben.“

Seit Mitte der neunziger Jahre stellt die Telekom die Nummern für den Service der beiden christlichen Kirchen bundesweit kostenlos zur Verfügung: Unter den Nummern 0800-1110111 (evangelisch) und 0800-1110222 (katholisch) ist rund um die Uhr immer jemand erreichbar.

„Es kommt auch mal vor, dass nachts eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine Stunde am Telefon sitzt und sich niemand meldet“, erzählt Lemhöfer. „Aber es geht ja gerade darum, verlässlich da zu sein. Auch wenn manche Gespräche sehr anstrengend sind. Da-Sein, Aushalten – das ist für uns Seelsorge.“ Die Ausbildung für die ehrenamtliche Telefonseelsorge dauert ein Jahr, Bewerbung und Informationen unter Telefon 282890.

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2006 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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