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1. Februar 2007

„Als Frankfurter fühlen sich alle“

OB Petra Roth beruft Kirchenmann Diallo zum Dezernenten

„Maßgeschneidert“ für den Posten sei er, befand die Frankfurter Rundschau. Und auch für Jean Claude Diallo selbst ist seine neue Aufgabe als Frankfurter Integrationsdezernent „das Tüpfelchen auf dem I“, wie er sagt. Nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Albrecht Magen hat der 61-Jährige das Amt Anfang Januar übernommen. Eigentlich sollte es erst 2008 so weit sein, wenn Diallo in den Ruhestand geht. Hauptberuflich ist der Psychologe seit vielen Jahren beim Evangelischen Regionalverband Leiter des Fachbereichs „Interkulturelle Arbeit“ und damit Chef aller evangelischen Einrichtungen in der Stadt, die mit Beratung, Bildung und Seelsorge zu tun haben.

Nicht Religionen oder Nationalitäten bieten Konfliktpotenzial, sondern ungleiche Bildungs- und Einkommenschancen, meint Jean Claude Diallo. Seit Januar ist er Integrationsdezernent in Frankfurt. | Foto: Oeser

Nicht Religionen oder Nationalitäten bieten Konfliktpotenzial, sondern ungleiche Bildungs- und Einkommenschancen, meint Jean Claude Diallo. Seit Januar ist er Integrationsdezernent in Frankfurt.
Foto: Oeser

„Ich war schon immer der Meinung, Migranten sollten in der Gesellschaft sichtbarer sein“, sagt Diallo, der seit zehn Jahren ehrenamtlicher Stadtrat ist und vor allem im Sommer auch mal in afrikanischen Gewändern in Erscheinung tritt. Anzug und Krawatte zieht er aber auch gerne an. Weil es bei „Multikulti“ nicht um entweder-oder geht, sondern um die gegenseitige Bereicherung. Als Dezernent will Diallo, der aus dem westafrikanischen Guinea stammt, aber schon in den siebziger Jahren nach Frankfurt kam, kein Ausnahmefall sein. Er würde es gerne sehen, wenn in städtischen Verwaltungen oder auch bei der Polizei mehr Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten. Dass auch eine weltoffene Stadt wie Frankfurt hier noch am Anfang ist, liege nicht nur am fehlenden Bemühen der Ämter. „Auch die Migrantinnen und Migranten selbst haben sich in der Vergangenheit nicht genügend bemüht. Was vielleicht verständlich ist, denn wenn man häufig ohne Grund von der Polizei kontrolliert wird, entwickelt man nicht unbedingt die Neigung, selbst dort arbeiten zu wollen.“ Derzeit seien gut qualifizierte Zugewanderte eher in der freien Wirtschaft oder als Selbstständige aktiv. „Aber auch die Behörden könnten ihnen gute Chancen bieten.“

Ärgerlich findet Diallo, wenn Politik und Medien das Thema „Ausländer“ zur Stimmungsmache instrumentalisieren. „Die Menschen kommen in Wahrheit viel besser miteinander aus, als das in diesen Angstszenarien immer behauptet wird.“ Auch hält er die oft diskutierten kulturellen oder religiösen Unterschiede für nicht entscheidend. „Ich bin in einem Land mit 90 Prozent Muslimen aufgewachsen“ erzählt Diallo, „meine Mutter war Muslimin, mein Vater Katholik.“ Er selbst ist evangelisch. Und überzeugt: „Es gibt nur einen Gott, aber unterschiedliche Formen, wie man zu ihm betet.“ Dass in Conakry, der Stadt seiner Kindheit, immer mehr verschleierte Frauen zu sehen sind, gefällt ihm nicht. „Aber nicht aus religiösen, sondern aus ästhetischen Gründen. Natürlich kann man anziehen, was man will. Doch ich habe es lieber bunt als trist und schwarz.“

Was Deutschland betrifft, so liege das eigentliche Konfliktpoten­ zial in ungleichen Bildungs- und Einkommenschancen. Aber gerade das Lokale sei auch ein guter Identifikationsort: „Die Jugend­ ­ lichen hier fühlen sich vielleicht nicht als Deutsche, aber auf jeden Fall als Frankfurter.“

Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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