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1. Februar 2007

„Da wird die Kirche gebraucht“

Ellen Stier: Klare Standpunkte und zupackender Pragmatismus

Einmal, da hat sie die Kirche nicht im Dorf gelassen, sondern sie zu einem Signal gemacht, das in Bornheim weithin zu sehen war. Das war 1988, als Ellen Stier Sprecherin der Aktion gegen den Ausbau der A66/A661 war. Als Zeichen des Widerstands hatte die Johannisgemeinde den Turm ihrer barocken Kirche mit einem riesigen Transparent umhängt, auf dem zu lesen war: „Ja zur Schöpfung, nein zur Autobahn!“ Robuste Lkw-Plane in knallgelb habe die Gemeinde dafür besorgt und sie professionell beschriften lassen. „Es sollte ordentlich aussehen“, sagt Ellen Stier, darauf habe sie in ihrer zwan­ zig­ jährigen Sprecherinnentätigkeit immer Wert gelegt. Empörung wurde dennoch laut, einige sahen die schmucke Kirche in Alt-Bornheim für politische Zwecke miss­ braucht. Ellen Stier sieht das anders: „Wenn irgendjemand meint, das sei keine kirchliche Arbeit, dem muss ich widersprechen.“

Foto:Oeser

Foto:Oeser

Über fünfzig Jahre hat sich die gebürtige Bornheimerin, die Zeit ihres Lebens Mitglied der Johannisgemeinde – heute Gemeinde Bornheim – war, ehrenamtlich engagiert. Angefangen von der Jungscharleitung mit 16 Jahren bis hin zur Mitarbeit im Vorstand des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt, einem besonders zeitintensiven Amt, das die heute 68-Jährige über zwölf Jahre, bis 2004, innehatte. Auch bei der Organisation von Gemeindefesten, Kindergottesdiensten und Konzerten für den Posaunenchor konnte die Gemeinde auf sie zählen. Immer wieder galt ihr Einsatz vor allem denjenigen, die am gesellschaftlichen Rand stehen, Flüchtlingen und Zugewanderten: „Hier werde ich gebraucht, hier wird die Kirche gebraucht.“

Für ihr langes und vielfältiges Engagement wurde sie jetzt mit der Philipp-Jakob-Spener-Medaille des Evangelischen Regionalverbandes ausgezeichnet. „Ellen Stier bildet sich mit Herz und Verstand eine Meinung, äußert sie und geht dann zur Tat über“, charakterisierte Bernhard Klinzing, Vorsitzender des Frankfurter Kirchenparlaments, bei der Preisverleihung. Eine Beschreibung, die Ellen Stier gelten lässt. Unter all den Akademikerinnen und Akademikern im Vorstand habe sie als Frau mit Mittlerer Reife ihre Rolle auch darin gesehen, zu den praktischen Fragen zurückzuführen.

„Die Ehrenämter sind mir zugewachsen“, sagt sie. In der Kirchengemeinde, die für sie Heimat ist. Und ja, stolz ist sie schon auch auf das eine oder andere, das sie mit vorangetrieben hat. Etwa als sie mit einer weiteren Frau aus der Gemeinde zwei Jahre lang 14 bosnische Flüchtlinge und einen Liberianer in einem leerstehenden Pfarrhaus untergebracht, mit Möbeln, Geschirr und Wäsche versorgt, bei Behördengängen und der Wohnungssuche unterstützt hat. Stolz ist sie aber auch, dass sie mit ihrem Mann fünf Kinder groß gezogen hat – für beide war es die zweite Ehe, beide brachten Kinder mit – und dass alle heute ihr Auskommen haben.

An Ruhestand denkt die mehrfache Großmutter nicht. Im Elektroinstallationsbetrieb ihres Mannes, inzwischen geführt von ihrem Sohn, arbeitet sie noch immer im Büro mit. Und die Gemeinde Bornheim kann sich ebenfalls auch in Zukunft auf ihre Unterstützung verlassen, etwa wenn demnächst ein Fest zur Goldenen Konfirmation ausgerichtet werden soll. „Solange ich dazu kräftemäßig in der Lage bin, mache ich weiter!“

Gesine Bonnet

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Menschen, Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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