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1. Februar 2007

Demografie ist kein Problem

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Das ist mal spannende Science Fiction: Im ZDF proben die Alten im Jahr 2030 den Aufstand. Für sie gibt es nur noch eine Grundrente. Skrupellose Geschäftemacher nutzen ihre Notlage aus. Aber nicht nur im Film scheint die Zukunft ein Horror. Auch die alltägliche Berichterstattung malt die Katastrophe an die Wand: Keine Kinder mehr, Unmengen von Alten, alles geht den Bach runter.

Ist das so? Erstmal die Fakten: Schlichtweg falsch ist die Behauptung, die Frauen in Deutschland würden immer weniger Kinder bekommen. Sie bekommen heute genau so viele wie vor dreißig Jahren. Was sich verändert hat, ist die Lebenserwartung: Die Menschen werden älter. Weshalb die Geburtenrate zwangsläufig sinkt, denn alte Menschen bekommen keine Kinder mehr.

Aber die Lebenserwartung steigt nicht nur, alte Menschen sind heute auch wesentlich gesünder und zufriedener als frühere Generationen, und sie fühlen sich deutlich jünger, als der Kalender es behauptet. Woher kommt also das Gejammere über die Schrecken der älter werdenden Gesellschaft? Es ist doch schön, dass die Menschen nicht mehr in jungen Jahren sterben! Sicher, es müssen in Zukunft mehr Aufzüge gebaut, Schilder größer beschriftet und bequemere Möbel entworfen werden. Aber auch das wäre doch ein Gewinn, nicht nur für die Alten, sondern für alle!

Ach ja, die Rente. Und die Gesundheitskosten. Dass es um die nicht gut bestellt ist, kann man wohl kaum bestreiten. Aber weder die Alten noch die angeblich so kinderlosen Frauen sind daran schuld. Sondern eine seit Jahrzehnten falsche Sozialpolitik. In keinem Industrieland sind die Erwerbsquoten von Müttern und von älteren Menschen so niedrig wie in Deutschland. Ganze Jahrgänge von noch gar nicht so Alten wurden in den Vorruhestand komplimentiert, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu verschleiern. Kein Wunder, dass die Rentenkassen in Bedrängnis sind.

Auch dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, gibt Anlass zur Sorge. Das Horrorszenario von den verarmten Alten könnte nämlich durchaus wahr werden – wer nichts hat, kann auch nicht vorsorgen. Die rigide soziale Auslese im deutschen Bildungssystem sorgt außerdem dafür, dass viel zu wenige Jugendliche Abitur machen und studieren. Doch nur gut ausgebildete junge Leute werden später mal unsere Rente erwirtschaften können. Ihre reine Anzahl sagt wenig aus. Ja, Deutschland hat in der Tat viele Probleme. Die demografische Entwicklung gehört nicht dazu. (Siehe Artikel zum Thema).

Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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