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1. Februar 2007

E-Mail-Seelsorge: ungeschminkt und ehrlich

„Gut, dass wir uns nicht gegenüber sitzen“, mailt ein Ratsuchender an den hessen-nassauischen Online-Pfarrer Helwig Wegner-Nord. Denn seine innersten Gefühle und Zweifel formulieren, das könne er nicht einmal in der Therapie. Mit Hilfe des Mediums Internet aber geht es. Hier kann er alles, was ihn bedrückt, aufschreiben. Niemand sieht, wenn er dabei rot wird, niemand zieht zweifelnd die Augenbrauen hoch, weil er sich ungeschickt ausgedrückt hat. Hier kann er auch mal richtig Dampf ablassen, über Gott und die Welt schimpfen und über die bösen Pfarrer und die verkrustete Kirche. Und niemand merkt es, wenn er dabei unsicher wird oder nach dem richtigen Wort erst einmal suchen muss.

Jedes Medium entwickelt seine eigenen Kommunikationsformen. Beim E-Mail-Schreiben, das ja auch anonymisiert werden kann, lohnt es sich nicht, andere beeindrucken zu wollen oder ihnen einen schönen Schein vorzuspielen. Im Internet, so haben Studien gezeigt, läuft Kommunikation ungeschminkter und geradliniger ab, als im direkten Kontakt oder auch am Telefon: weniger Floskeln, weniger Höflichkeit. Das ist ehrlicher – aber auch schonungsloser.

Jedes Jahr wenden sich rund 350 Menschen auf diesem Weg an Helwig Wegner-Nord. Manche haben nur eine ganz konkrete Nachfrage: Ob sie ihr Kind taufen lassen können, obwohl sie selbst aus der Kirche ausgetreten sind, zum Beispiel. Andere schreiben kleine philosophische Abhandlungen, weil sie glauben, den Beweis gefunden zu haben, dass es keinen Gott gibt und die Bibel nur ein Märchenbuch ist. Wieder andere erzählen in erstaunlicher Offenheit von tiefen persönlichen Krisen, von ihren Depressionen, ihrer Trauer um einen verstorbenen Menschen, ihren spirituellen Erfahrungen.

Was es auch sei: Während die Schreibenden anonym bleiben können, wenn sie das möchten, wissen sie ganz genau, mit wem sie es auf der anderen Seite des Datennetzes zu tun haben. Mit Foto und Lebenslauf stellt sich Wegner-Nord unter www.ekhn.de/p-online selbst vor. Und er beantwortet die E-Mails ebenso persönlich: Er erzählt von seinem eigenen Glauben, gibt Buchtipps, vermittelt Adressen. Einmal kam es, nach einem längeren E-Mail-Wechsel, sogar zu einer persönlichen Begegnung. Aber das war die absolute Ausnahme. Distanzierter kann eben manchmal tatsächlich näher sein. Kontakt: p-online@ekhn.de.

Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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