Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

Von – 1. Februar 2007

Fasching kommt vor’m Fasten

Fasching, Fastnacht oder Karneval – zumindest dem Namen nach hat alles mit der kirchlichen Fastenzeit vor Ostern zu tun: Das mittelhochdeutsche Wort „vastschanc“ bedeutet „Ausschank vor dem Fasten“, und der „Karneval“ sagt mit dem lateinischen Ausdruck „carne vale“ dem Fleisch (und der Fleischeslust) Lebewohl. So oder so: Es geht um ein Fest der Sinne, an dem noch einmal ausgiebig das getan wird, was während des Fastens (zumindest offiziell) tabu ist.

Foto: Antje Schrupp

Foto: Antje Schrupp

Die Einführung einer vierzigtägigen vorösterlichen Fastenzeit geht zurück auf Papst Gregor den Großen (um 600). Ursprünglich begann sie am Dienstag nach dem sechsten Sonntag vor Ostern, so dass der vorausgehende Montag die „Fastnacht“ war. Das Konzil von Benevent nahm dann im Jahr 1091 die Sonntage vom Fasten aus, zum Ausgleich wurden sechs weitere Werktage der Fastenzeit zugerechnet, so dass diese seitdem am Mittwoch vor dem sechsten Sonntag vor Ostern beginnt – dem Aschermittwoch.

Es ist umstritten, ob das Fastnachts-Brauchtum heidnisch-römische und germanisch-keltische oder auch noch viel weiter zu­rückreichende Wurzeln besitzt. In der dunklen Jahreszeit lag es wohl schon immer nah, ausgelassen die bösen Geister zu vertreiben. Umso mehr war die „Erfindung“ der Fastenzeit ein Selbstläufer. Der von der Kirche zunächst zugestandene Brauch eines Gelages war da bei weitem nicht genug. Die eine Fastnacht wurde auf mehrere Tage und sogar Monate ausgeweitet und zu einer genussreichen Gegenwelt ausgestaltet mit Bällen, Streichen, Maskeraden und Umzügen. Wer jedoch am Aschermittwoch noch verkleidet angetroffen wurde, musste mit harten Kirchenstrafen rechnen, weil ihm dann Zweifel an Gottes letztendlichem Sieg unterstellt wurden.

Die Reformatoren hatten nur wenig Verständnis für die ungenierte Duldung der niederen Instinkte. Außerdem kritisierten sie, dass die katholische Kirche das Fasten als Mittel betrachtete, das Gott zur Versöhnung bewegen kann. Das lehnten sie ab, weil nach ihrer Auffassung Gott den Menschen allein aus Gnade gerecht spricht, nicht aufgrund seiner Leistungen.

Ein demonstratives und provokatives Wurstessen zu Beginn der Fastenzeit 1522 kam dem Schweizer Reformator Ulrich Zwingli gerade recht, um daran die evangelische Freiheit zu verdeutlichen und die Reformation ins Rollen zu bringen. Doch wer nicht fastet, muss vorher auch nicht feiern. So kommt es, dass Fasching, Fastnacht und Karneval ganz überwiegend auf die katholischen Gebiete begrenzt sind.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

Meistgelesene Artikel

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.