Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

Von – 1. Februar 2007

Nur bedingt ein Vorbild

Elisabeth von Thüringen deutete ihr Leben um: Nicht zum Regieren oder zum Genießen ihrer Adelsprivilegien fühlte sie sich berufen, sondern zu Verzicht und Aufopferung für andere – bis hin zum eigenen frühen Tod. Eine Erinnerung zum 800. Geburtstag einer zwiespältigen Heiligen.

Lieve Van den Ameele-Steller ist Pfarrerin in Nied und in Goldstein. Foto: Oeser

Sie gab nicht nur ihr „letztes Hemd“, sondern sie verzehrte sich – so lässt sich das Leben der Elisabeth von Thüringen wohl zusammenfassen. Gerade mal 24 Jahre alt wurde die ungarische Königstochter und spätere Landgräfin. In dieser Zeit setzte sie sich für Arme und Bedürftige ein und errichtete ein Krankenhaus in Marburg. Aber sie war in einem Dilemma: Sie fühlte sich den Armen besonders verbunden, doch „Adel verpflichtet“ – das Landgrafentum und ihre königliche Herkunft banden sie an Besitz und Stand.

Schon als Kleinkind war sie Instrument von Adelsinteressen, indem sie dem Thüringer Landgrafen als künftige Braut versprochen wurde. Mit vier Jahren wurde sie ins ferne Thüringen gebracht, um sich am landgräflichen Hof einzuleben und für die spätere Heirat vorbereitet zu werden. Und war sie ursprünglich dem älteren Landgrafensohn versprochen worden, so wurde sie nach dessen Ableben kurzerhand dem jüngeren Bruder Ludwig als künftige Braut vermacht.

Am „glänzenden Musenhof“, wie es Walther von der Vogelweide nannte, wuchs das kleine Mädchen in einer verwirrenden und widersprüchlichen Welt auf. Einerseits erlebte sie das Tag und Nacht brausende kulturelle und künstlerische Leben. Andererseits übernahm die künftige Schwiegermutter Sophie den von ihr eher fromm-religiös aufgefassten Bildungsauftrag an der kleinen Elisabeth. Die Anlage dazu hatte Elisabeth bereits nach Thüringen mitgebracht. Aufzeichnungen über ihre Kindheit vermitteln das Bild eines kleinen Mädchens, das es mit der Religion und den Frömmigkeitsübungen sogar im Spiel sehr ernst nahm. Ihren Spielgefährtinnen zeigte sie, wie wahre Größe gemessen wird: auf den Knien mit geneigtem Haupt. Zudem hatte sie von jeher eine Schwäche für Arme und Kranke, suchte deren Nähe und verteilte Lebensmittel – das brachte ihr nicht gerade die Zustimmung und Zuneigung der Schwiegerfamilie ein.

Spätgotische Holzfigur der Heiligen Elisabeth aus der Marburger Elisabethkirche. An dieser Stelle stand früher das Hospital, das Elisabeth gegründet hat, und in dessen Kapelle sie beerdigt wurde. Schon ab 1235 entstand über dem Grab der schon vier Jahre nach ihrem Tod Heiliggesprochenen der erste gotische Kirchenbau in Deutschland. Foto: epd-Bild/Orth

So war sie ein bestens vorbereitetes Feld für den Kreuzzugprediger und päpstlichen Inquisitor Konrad von Marburg, einen Franziskanermönch, der in Abwesenheit des Ehemannes die geistliche Gewalt im Staat und bei Hofe – nicht zuletzt für die junge Elisabeth – verkörperte. Er wurde ihr Beichtvater und rigoroser religiöser Ratgeber, der sie – auch als Landgräfin – körperlich züchtigte und sie lehrte, was Entbehrung ist.

Nach dem Tod ihres Mannes zogen Elisabeth und Konrad weg aus dem Schloss – geflohen oder verjagt, da sind sich die Geschichtsschreiber nicht ganz einig. Die Zwanzigjährige nahm einen eigenen, viel bescheideneren Weg für sich und gestaltete ihn nunmehr aktiv. Von den beiden in ihr angelegten Wegen wählte sie den, der ihrem religiösen und sozialen Empfinden am nächsten kam: die freiwillige Armut, das Dasein für andere – auch wenn sie sich dabei verzehren sollte. Dabei hat der von ihr gewählte Weg etwas Stolzes. Im geistlichen Sinn ist es wohl auch ein Privileg, auf Reichtum und Ansehen verzichten zu können. Ihr Fasten geht somit über den bloßen Verzicht auf Speisen hinaus – beinhaltet mithin ein Umdeuten des Lebens und Farbe-Bekennen, um sich selbst treu zu bleiben. Etwas von Gottes Zuneigung zu uns Menschen strahlt darin durch. Doch in ihrer Selbstaufgabe und mangelnden Rücksicht auf die eigene Gesundheit ist sie nur bedingt ein Vorbild.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Lieve Van den Ameele ist Pfarrerin in Frankfurt-Fechenheim und Gemeindeberaterin.

Meistgelesene Artikel

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.