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1. April 2007

„Wir sind Don’t Copy“

Im Jugendhaus am Heideplatz ist Hip-Hop in: So ähnlich wie Jugendliche früher ihren Frust dem Tagebuch anvertrauten, schreien sie ihn heute ins Mikrofon. Für ein gemeinsames Projekt mit der Stadtbücherei Oberursel erhielten die Hip-Hopper jetzt den Hessischen Leseförderpreis.

Hip-Hop-Session im Jugendhaus Heideplatz: Mourice rappt ins Mikrofon, Big Eddy schaut  zu. | Foto: Oeser

Hip-Hop-Session im Jugendhaus Heideplatz: Mourice rappt ins Mikrofon, Big Eddy schaut zu.
Foto: Oeser

„Freestyle“ stöhnt Mourice, „das ist schwer.“ Aber dann stellt sich der Achtzehnjährige, der aus der Dominikanischen Republik stammt, vors Mikrofon und fängt aus dem Stegreif an zu rappen. „I’m a nigger in the street“…, „I wanna meet“ …, „gun“ … „blow“… „fuck“.

„Viele Leute sind schockiert, wenn sie zum ersten Mal Rap-Texte hören“, kommentiert Markus Franz, der seit vier Jahren den Musikbereich des Jugendhauses am Heideplatz aufbaut und Mourices spontane Sprachakrobatik im Tonstudio mit Musik unterlegt. „Man darf die Texte aber nicht zu wörtlich nehmen. Das ist einfach eine Art, Dampf abzulassen und bestimmt viel besser, als sich zu prügeln. Oft ist Rap auch eine moderne Form des guten alten Tagebuchs: Auf diese Weise schütten Jugendliche heute ihr Herz aus.“

Grund genug für den Sozialpädagogen des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit, ein Hip-Hop-Projekt zu vertonen – in Kooperation mit der Stadtbücherei Oberursel, die dafür den Hessischen Leseförderpreis gewann. Im Rahmen dieses Projekts sollten Haupt- und Gesamtschüler und -schülerinnen der Klassen acht und neun den Roman „Engel und Joe“ von Kai Herrmann lesen, in dem es um das Leben auf der Straße zwischen Armut, Drogen und Gewalt geht. Sie sahen einen Film über Hip-Hop und konnten dann in einer Schreibwerkstatt eigene Rap-Texte verfassen, die Markus Franz später auf CD brannte.

„Was ich schon für Texte gehört habe, ist wirklich toll und manchmal auch sehr anrührend“, schwärmt Franz. „Das ist Kreativität pur, immer auch eine Auseinandersetzung mit Sprache.“ Jeden Mittwoch ist im Jugendhaus offenes Musiklabor im Tonstudio. Franz vertont alles, was die Jugendlichen singen wollen, sei es Hip-Hop, türkische Folklore, Rock, Pop oder Punk. Egal ob Roma, Türkin oder Marokkaner. „Musik verbindet bekanntermaßen. Wir bringen hier alle Ethnien zusammen.“

Franz, der auch zwei Probenräume für Bands eingerichtet hat, versteht sich als eine Art Geburtshelfer, der Stimme und Rhythmusgefühl schult, je nach Bedarf anfeuert oder beruhigt. Schon so manchem schüchternen Jungen oder vorlauten Mädchen hat er damit den Weg zum Musikstudium oder in eine Band eröffnet.

Auch Jugendhausleiter Ludwig Seeliger sagt: „Musik war schon immer ein zentrales Stück der Jugendkultur. Mit Musik können Jugendliche ihre Gefühle ausdrücken und ihre Identität bilden. Sie gewinnen an Selbstvertrauen und sammeln Gruppenerfahrung – soziale Kompetenz. Folklore vermittelt ein Stück Heimatgefühl. Wir haben hier wirklich etwas Einzigartiges geschaffen.“ Das Hip-Hop-Projekt wird im Sommer mit einer kreativen Schreibwerkstatt fortgesetzt, deren Texte wieder am Heideplatz vertont werden. Und Mourice? Franz ist überzeugt: „Der ist so gut, der wird seinen Weg in der Musik machen.“

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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