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1. April 2007

Das glaubst du doch nicht!

Der Dokumentarfilm „Das Jesus-Grab“ will beweisen, dass Jesus verheiratet und Vater war. Damit würden die Grundfesten der Kirche erschüttert, prophezeit der Filmemacher Simcha Jakobovici. Doch das ist noch die Frage.

Bastian Michailoff ist Spezialvikar bei der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt. | Foto: Oeser

Bastian Michailoff ist Spezialvikar bei der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt.
Foto: Oeser

„Ich kann nur glauben, was ich selbst gesehen habe“ ist ein oft gehörter Satz, in dem auch gerne ein kämpferischer Unterton mitschwingt. Kämpferisch wird es oft dann, wenn es um den Glauben geht – den religiösen, den christlichen Glauben, nicht da­ rum, dass die Zuckerdose im Küchenregal rechts vorne stehen müsste. Fast wie eine Anklage heißt es dann: „Du glaubst doch nicht etwa wirklich, dass …?!“ Was häufig folgt, ist genauso zahlreich wie klassisch: dass die Welt in sieben Tagen geschaffen wurde, dass Maria Jungfrau war, oder dass Jesus über das Wasser gehen konnte. Die Liste der „Das-glaubst- du- doch- nicht- etwa-Dinge“ ist eine bunte Mischung aus biblischem Erzählstoff und dogmatischen Lehraussagen, denen dann eine andere „wirkliche“ Wahrheit entgegen gestellt wird.

Eine dieser „neuen Wahrheiten“ ist in letzter Zeit in ihrer Popularität massiv gestiegen. Angefangen hat es mit der Verfilmung von Dan Browns Roman „Sakrileg“. Darin wird anhand eines Da Vinci-Gemäldes „enthüllt“, dass Jesus und Maria Magdalena eine Liebesbeziehung gehabt hätten. War der als Sohn Gottes proklamierte Jesus von Nazareth ein normaler Mann mit einer Partnerin? Jetzt gibt es also neue Beweise: Jesus war sogar mit Maria Magdalena verheiratet. Das behaupten zumindest der Dokumentarfilmer Simcha Jakobovici und Oscarpreisträger James Cameron (Titanic) in ihrem Dokumentarfilm „Das Jesus-Grab“, der an Karfreitag im privaten Fernsehen gezeigt wird. Zwei Steinsärge, die vor 26 Jahren in Jerusalem gefunden wurden, sollen den Filmemachern zufolge belegen, dass Jesus und Maria nicht nur verheiratet waren, sondern auch ein Kind zeugten und sogar den Segen der Mutter Jesu hatten, die ebenfalls im Grab der Familie „Christus“ ihre letzte Ruhe gefunden haben soll. Der Name Maria findet sich nämlich gleich zweimal auf den betreffenden Kalksteinsarkophagen neben den Worten, „Jesus, Josephs Sohn“ und „Judah, Sohn von Jesus“.

Die Filmemacher Simcha Jacobovici - links - und James Cameron - Mitte - mit den Sarkophagen, von denen sie glauben, dass in ihnen Maria Magdalena und Jesus von Nazareth beerdigt wurden. An Karfreitag läuft ihre Dokumentation über das „Jesus-Grab“ im Fernsehen. | Foto: picture-alliance

Die Filmemacher Simcha Jacobovici – links – und James Cameron – Mitte – mit den Sarkophagen, von denen sie glauben, dass in ihnen Maria Magdalena und Jesus von Nazareth beerdigt wurden. An Karfreitag läuft ihre Dokumentation über das „Jesus-Grab“ im Fernsehen.
Foto: picture-alliance

„Unser Film wird die Grundfesten der christlichen Kirche erschüttern“, meint Jakobovici. Dass die Beweisführung des Films höchst zweifelhaft ist, was viele Wissenschaftler bestätigen, ist das eine. Die Namenskombination auf den Sarkophagen etwa lädt ja höchstens zu Spekulationen ein. Außerdem stellen religiöse Skandale mittlerweile eine gute Geldquelle dar. Doch viel interessanter ist das mitschwingende Verständnis vom Glauben, also das, was die Filmemacher sich unter der christlichen „Grundfeste“ vorstellen, die sie erschüttern wollen.

Glauben ist aber nicht einfach dasselbe wie Für-wahr- oder Fürmöglich-Halten. Die Aussage: „Ich glaube, dass es morgen regnet“ bedeutet etwas ganz anderes als: „Ich glaube an Gott“. Religiöser Glaube hat nichts damit zu tun, felsenfest behaupten zu können, dass Jesus über das Wasser gehen konnte. Christinnen und Christen wissen mit der biblischen Botschaft umzugehen: Es ist eine Erzählung, die von Vertrauen und Zweifel handelt. Glauben wir, dass die Menschen in Jesu Umgebung so starkes Vertrauen zu ihm hatten, dass Unmögliches möglich wurde?

Was man überhaupt davon hätte, zu behaupten, die Geschichte mit Jesus sei genau so abgelaufen, wie es in den Evangelien steht, ist offen. Aber was ein Mensch davon hat, der sagen kann: „Der Glaube, dass Gott mich begleitet, hat mir trotz aller Zweifel immer wieder Kraft gegeben“, erklärt sich von selbst.

War Jesus also verheiratet und das Grab an Ostern nur deswegen leer, weil es das falsche war? Mag sein, dass Jakobovici das für wahr hält. Die angestrebte Erschütterung des christlichen Glaubens könnte sich allerdings nur dann ereignen, wenn man Glauben so versteht, wie Jakobovici meint, dass „die Kirche“ glaubt. Ich persönlich glaube nicht – oder besser gesagt: Ich bin nicht der Meinung, dass er damit Recht hat.

Bastian Michailoff

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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