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1. April 2007

Die Kraft des Hausgenossen Jesus

Eine Wohngemeinschaft in Eschersheim praktiziert seit 18 Jahren christliches Zusammenleben

Man muss an einen Wirklichkeit gewordenen Traum vom gemütlichen Eigenheim denken: Draußen ein großer Garten, drinnen Sofas, viele Kerzen, ein Klavier, auf dem Couchtisch steht ein frisch gebackener Kuchen. „Wir sagen nicht Wohnzimmer, sondern Gemeinschaftsraum“, erklärt Annette Rösch eher nüchtern. Beim „Wöhlerhaus“ in Eschersheim handelt es sich aber auch nicht um ein gemütliches Eigenheim. Zwei Singles, ein Ehepaar und drei Familien mit neun Kindern teilen sich das Haus. Zweimal im Monat treffen sie sich, um organisatorische Dinge wie etwa den Hausputz zu regeln, um zu feiern und zu spielen, Kuchen zu essen oder über Kunst oder den Islam zu sprechen. Weniger eine Sache als vielmehr eine Person verbindet die Bewohnerinnen und Bewohner: Jesus. „Wenn wir am Computer spielen, reden wir nicht über Gott“ – Julius stellt klar, wie man sich das nicht vorzustellen hat. Er spielt mit den anderen Jungs aus dem Haus oft Fußball im Garten oder eben am Computer, was noch nicht außergewöhnlich religiös anmutet.

Wenn alle im Gemeinschaftsraum sind, wird's eng auf dem Sofa: Im Wöhlerhaus in Eschersheim leben zwei Singles, ein Ehepaar und drei Familien mit neun Kindern in christlichem Geist zusammen. Dauernd von Gott geredet wird dabei aber nicht. | Foto: Oeser

Wenn alle im Gemeinschaftsraum sind, wird’s eng auf dem Sofa: Im Wöhlerhaus in Eschersheim leben zwei Singles, ein Ehepaar und drei Familien mit neun Kindern in christlichem Geist zusammen. Dauernd von Gott geredet wird dabei aber nicht.
Foto: Oeser

Trotzdem: Das gemeinsame Wohnen soll christlich sein, das stand von Anfang an für Peter Büscher und seine Frau Monika fest, die vor 18 Jahren die Hausgemeinschaft gründeten. Singles waren anfangs in der Überzahl. Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt, auch weil aus zwei ehemaligen Singles inzwischen das Ehepaar Rösch wurde. Durch ihren Flur muss übrigens jeder, der zu Familie Büscher will. „An einem Sonntagnachmittag wird einem das schon mal zu viel“, sagt Annette Rösch. In solch alltäglichen Momenten erweise sich nun die Kraft des Hausgenossen Jesus. Stichwort Vergebung. „Man kann Ärger ansprechen.“ Niemand sei schließlich perfekt. „Ich kann mich fallen lassen“, sagt Julia Gerhards. Peter Büscher nickt: „Demnächst verliere ich wohl meine Arbeit. Davon habe ich den anderen an einem Abend erzählt.“ Das Gebet danach habe ihm gut getan. Das gemeinschaftliche Leben trage aber keine überirdischen Züge. „Es gab auch schon Bewohner, die auszogen, weil sich Konflikte nicht lösen ließen.“

Normalerweise wird das gemeinsame Wohnen aber als sehr bereichernd empfunden, gerade wegen der unterschiedlichen Konfessionen, Lebensformen – oder sei es nur deshalb, weil man fast immer jemanden findet, mit dem man Schwimmen gehen kann. Jasmin ist ab und zu ein wenig traurig, weil kein anderes Mädchen ihres Alters im Haus wohnt. „Mit den Jungen spiele ich nicht so wirklich“, sagt sie. „Dafür aber habe ich schon mit Jasmin gespielt“, erzählt Single Sabine Egenolf. Das Ehepaar Rösch wiederum tauscht DVDs und CDs mit dem halb so alten Lukas. Überhaupt sei wichtig: Die Türen stehen nicht unablässig offen. „Nach neunzehn Uhr bleiben wir als Familie normalerweise unter uns“, sagt Maria Penski. So gab es beim letzten Weihnachtsfest auch nicht einen, sondern vier Christbäume. Jede Familie feierte für sich.

Obwohl: Ganz so war es nicht, erinnert sich Annette Rösch: „Lothar kam dann doch zu uns herunter, um sein neues Fußball-Trikot zu zeigen.“

Georg Magirius

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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