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1. April 2007

Friedensarbeit würdigen

Ute Scheub: Fraueninitiativen verdienen Nobelpreis

Männer machen Krieg, Frauen sorgen für Frieden. Die Gleichung mag zwar etwas holzschnittartig scheinen, spiegelt jedoch weitgehend eine globale Realität, meint „taz“-Mitbegründerin Ute Scheub. Die Westeuropa-Koordinatorin der Kampagne „FriedensFrauen weltweit“ sagte bei einem Vortrag in der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg, Frieden werde nicht erreicht, „indem sich ehemals verfeindete Heeresführer die Hände schütteln“, sondern – wenn überhaupt – meist von Frauen auf der Graswurzelebene realisiert.

Die Öffentlichkeit beachte indes kaum, wie mutig und entschlossen sich Frauen überall auf der Erde für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit engagieren, und das oftmals unter Lebensgefahr, kritisierte Scheub. Dabei gingen auf die Konten von Frauen erstaunliche Taten, zum Beispiel ein ethnisch gemischtes Selbsthilfe­ netzwerk, das einige Tutsi- und Hutu-Witwen nach dem Völkermord in Ruanda gründeten und das seit 1994 die Zivilgesellschaft maßgeblich stützt. Oder der so genannte „Jerusalem Link“, in dessen Rahmen Israelinnen und Palästinenserinnen Pionierarbeit in Sachen Annäherung leisten. Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern.

Solche Friedensprojekte ins Bewusstsein zu rücken und sie weltweit zu vernetzen, hat sich die aus der Initiative „1000 Frauen für den Nobelpreis 2005“ hervorgegangene Kampagne auf die Fahnen geschrieben. Dieses Ziel wird unter anderem mit der Wanderausstellung „1000 Friedensfrauen aus der ganzen Welt“ verfolgt. Seit Oktober 2005 war sie an 200 Orten in über dreißig Ländern zu sehen. Anfang März hatten die Evangelische Stadtakademie und das Evangelische Frauenbegegnungszentrum die Ausstellung auch nach Frankfurt geholt.

Die Hoffnung, dass die „1000 Friedenfrauen“ stellvertretend für ihre unzähligen Gesinnungsschwestern den Friedensnobelpreis erhalten, hat Scheub nicht begraben. 2005 habe der Vorschlag auf der Liste des Osloer Komitees schon ganz oben gestanden. 2008 würden die Frauen wahrscheinlich erneut nominiert. Ihre leise und oft gefährliche Arbeit endlich zu würdigen, hält die Journalistin für mehr als überfällig. Nicht zuletzt, weil so gut wie alle Friedensprojekte das Preisgeld bitter nötig hätten. Deren „schreiende Unterfinanzierung“, so Scheub, sei eine Folge davon, dass Frauen und ihr Engagement „systematisch unterschätzt“ würden. Während Frauen, wie von der UN errechnet, nur ein Prozent des weltweiten Eigentums besitzen, gäben Männer Unsummen für Kriege aus. Allein der Krieg im Irak werde nach Expertenschätzungen über eine Billion Dollar verschlingen.

Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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