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Von – 1. April 2007

Geschenk für die Gnadenlosen

„Wie kriege ich einen gnädigen Bundespräsidenten?“ Dieser Frage scheint Christian Klar, zu langjähriger Haftstrafe verurteiltes Mitglied der RAF-Führungsriege, keine große Aufmerksamkeit zu schenken. Kein öffentliches Bekenntnis, grundsätzlichen Irrtümern erlegen zu sein, kein Bedauern für die Opfer und deren Angehörige. Aber ein Gnadengesuch liegt Horst Köhler vor.

„Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Für Martin Luther war diese Frage entscheidend. Dass die Gnade Gottes freies und unverfügbares Geschenk ist und es für die in Sündhaftigkeit verstrickten Menschen keinerlei Recht auf diese Gnade gibt, war auch der Theologie zu Zeiten Luthers klar. Da war auch das theologische Hintertürchen, wonach Zerknirschung und wahre Reue in der Beichte den Anknüpfungspunkt für Gottes Gnade ausmachen, kein Trost. Erst die Rückbesinnung auf die biblische Theologie des Paulus brachte Luther Gewissheit: „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Gnade hat kein Mensch verdient, auch mit dem besten Leben nicht. Gnade gilt immer den Gnadenlosen. Die Gnade Gottes unterscheidet zwischen der Person und dem, was sie aus sich gemacht hat. Nur das macht es Menschen möglich, sich nun auch ihrerseits von ihren Untaten zu distanzieren. Nach Paulus und Luther kann sich niemand im Voraus als „der Gnade wert“ erweisen. Diese theologische Erkenntnis muss nicht Maßstab sein für die Entscheidung des Bundespräsidenten. Sie ist aber ein christlicher Beitrag zur Debatte um die RAF-Terroristen in einem Land, das sich gerne auf seine christliche Tradition beruft.

Aus christlicher Perspektive spricht nichts dagegen, wenn Horst Köhler dem Gnadengesuch Christian Klars nach der Mindesthaftzeit entspräche.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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