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1. April 2007

Viel Raum für Kinder und Jugendliche

Die typische Wohnung für eine Familie in der Frankfurter Riederwaldsiedlung, die 1911 als Mustersiedlung für Arbeiter erbaut wurde, ist fünfzig Quadratmeter groß, hat zweieinhalb Zimmer plus Mansarde und Keller und kostet je nach Sanierungszustand 300 oder 420 Euro Monatsmiete.

Jugendliche beim Kicker-Turnier in der Philippusgemeinde im Riederwald. Hier können sie sich austoben, was für viele in den kleinen Siedlungswohnungen kaum möglich ist. | Foto: Oeser

Jugendliche beim Kicker-Turnier in der Philippusgemeinde im Riederwald. Hier können sie sich austoben, was für viele in den kleinen Siedlungswohnungen kaum möglich ist.
Foto: Oeser

Im Gemeindezentrum der Philippuskirche dagegen ist viel Platz: Ausgedehnte Flure, Gemeinderäume, Küche, Jugendkeller mit Tischkicker, Dartscheibe und ein so genannter „Chill-Out“-Ruhe-Raum sowie in den oberen Etagen Musik- und Computerzimmer. „Schon allein wegen dieser Weite kommen Jugendliche gerne hierher“, erklärt Sozialpädagogin Heide Reif-Dehler, die den offenen Jugendtreff zusammen mit zwei Kollegen auf Honorarbasis leitet. „Hier können sie sich frei be­ wegen.“ Zwischen dreißig und fünfzig Jugendliche treffen einmal in der Woche im Gemeinde­ zentrum zusammen, um zu kochen und zu essen, zum Spielen, Reden, Chillen oder an Themenabenden auch zum Diskutieren, etwa über Sex oder Drogenprobleme.

Kinder- und Jugendarbeit steht im Riederwald im Mittelpunkt des Gemeindelebens: Der Stadtteil bietet sonst kaum Anregungen. Rund sechzig Kinder von eins bis fünf werden in der Kindertagesstätte betreut, während Mütter am Kurs „Mama lernt Deutsch“ teilnehmen können.

„Wir wussten seit einem Jahr, dass die halbe Gemeindepädagogen-Stelle wegfällt, und konnten uns darauf einstellen“, sagt Pfarrer Fred Balke-Nagel. „Jetzt arbeiten wir mit einem Dutzend Honorarkräften, die versuchen, die Arbeit der Pädagogin weiterzuführen. Aber das kostet.“

Weil der Pfarrer mehr Zeit braucht, um Spenden- und Stiftungsgelder einzuwerben, kann er in letzter Zeit weniger Hausbesuche machen. Dafür ist die Gemeinde besonders stolz auf den Schülerclub, der Jugendlichen bei Bewerbung und Lehrstellensuche unter die Arme greift. Fachleute, die sich um jeden Einzelnen kümmern, werden drei Jahre lang von der Aktion Mensch finanziert. „Dadurch konnten wir schon zwölf Lehrstellen vermitteln“, freut sich Balke-Nagel.

Der Riederwald hat die höchste Arbeitslosenquote der Stadt. Hier wohnen Menschen mit wenig Einkommen und viele Patchworkfamilien. Alkoholismus und daraus resultierende Ausfallerscheinungen sind ein großes Problem. „Ich habe noch nie so viele Menschen mit Korsakow-Syndrom beerdigt wie hier“, berichtet der Pfarrer. „Noch mehr Sozialwohnungen kann der Stadtteil nicht vertragen.“

Trotz drängender Probleme und finanzieller Nöte gebe es aber keine Sitzung des Kirchenvorstands, auf der nicht laut gelacht würde. „Wir halten es mit der Toyo­ ta-Werbung“, sagt Balke-Nagel. „Nichts ist unmöglich.“ Immer wieder geschähen doch kleine Wunder: Zum Beispiel, dass vor kurzem ein neuer Kirchen- und ein Jugend­ chor entstanden seien und dass sich die letztjähri­ gen Konfirmandinnen und Konfirmanden auch nach dem Fest noch in einer selbst organisierten Gruppe treffen wollen.

Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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