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1. April 2007

Vom dunklen Grab ins helle Licht

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Nicht nur Jesus ist am Ostersonntag auferstanden, sondern für alle Menschen gilt nach christlicher Überzeugung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Doch was man sich unter der Auferstehung vorstellen soll, ist alles andere als klar.

„Landläufig denkt man, dass da einer den Grabstein wegschiebt und die Menschen wieder rausgekrochen kommen. Wahrscheinlich hat das nie ein Pfarrer so erzählt, aber das ist es doch, was die Leute sich un­ ter Auferstehung vorstellen. An so was glaube ich natürlich nicht. Aber ich weiß auch nicht, was Auferstehung sonst sein soll. Es hat halt noch keiner miterlebt.“ Bei kaum einem Thema herrscht so viel Unklarheit in Bezug auf die Inhalte des christlichen Glauben wie bei der Auferstehung. Dass Jesus am dritten Tag nach seiner Kreuzigung auferstanden ist und damit den Tod überwunden hat, feiert die Christenheit jedes Jahr an Ostern. Dass es dabei nicht um ein einmaliges Wunder geht, sondern um die Auferstehung der Toten allgemein, wird im Glaubensbekenntnis ausdrücklich bekräftigt.

Menschen stehen aus ihren Gräbern wieder auf – so stellte sich Rogier van der Weyden im 15. Jahrhundert die Auferstehung vor. | Foto: picture-alliance/Lessing

Menschen stehen aus ihren Gräbern wieder auf – so stellte sich Rogier van der Weyden im 15. Jahrhundert die Auferstehung vor.
Foto: picture-alliance/Lessing

Doch was soll das sein, die Auferstehung der Toten? Wie hat man sich das vorzustellen? Und wie kann man daran glauben? Viele Menschen haben es aufgegeben, sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. „Es gibt da natürlich schon Gefühle und so eine diffuse Hoffnung“, sagt zum Beispiel Erich, der als EDV-Berater arbeitet, „aber eigentlich glaube ich nicht, dass mein Ich und mein Wesen nach dem Tod weiterleben. Zumal ja Materie und Geist ganz eng zusammenhängen, was auch die neuere Hirnforschung bestätigt. Da kann man doch nicht so tun, als wenn vom Geist noch irgend etwas übrig bleibt, wenn sich der Körper aufgelöst hat oder verbrannt wurde.“

Der 50-Jährige hat es aber auch aus praktischen Erwägungen heraus aufgegeben, über das Thema nachzudenken: „Ich glaube eher an die Unendlichkeit des Universums. Materie vergeht nicht, sondern verwandelt sich immer in etwas anderes. Aber mit mir als Person hat das nichts zu tun. Wenn ich sterbe, ist erst mal Schluss. Darüber muss ich mir keine Gedanken machen, denn ändern kann ich ja sowieso nichts.“

Die 39 Jahre alte Pädagogin Sabine sieht das anders. Sie findet die Vorstellung, dass nach dem Tod alles aus ist, beängstigend. „Ich liebäugele ehrlich gesagt mit der Wiedergeburt. Es erscheint mir plausibel, dass die Seele nicht stirbt, sondern sich im nächsten Leben einen anderen Körper sucht.“

Bei Kerstin hingegen schieben sich unweigerlich Bilder aus ihrem Kin­ derglauben in den Vordergrund: „Spontan assoziiere ich, dass ich sterbe und eine Zeit lang schlafe, und Auferstehung ist der Moment, wo ich dann im Himmel wieder erwache. Wahrscheinlich habe ich mir das von klein auf so zusammengereimt. Ich sehe es ganz deutlich vor mir: Meine Seele kommt in den Himmel, dort ist sie dann bei Gott, umgeben von Licht und Liebe, und eben nicht mehr in diesem dunklen Grab.“ Fast scheint es, als sei der 42 Jahre al­ ten Journalistin diese plastische Vorstellung peinlich. „Wenn ich logisch drü­ ber nach­ denke, weiß ich natürlich, dass das Quatsch ist. Aber dann muss ich auch zugeben, dass ich mir im Grunde gar nichts unter Auf­ erstehung vorstellen kann. Ich habe mich auch nie wirk­ ­ lich damit beschäftigt, wahrscheinlich deshalb, weil es so un­ klar ist.“

Erleben alle Menschen die Auferstehung oder nur einige Auserwählte? Wie hängt das mit Himmel und Hölle zusammen? Und welche Rolle spielt dabei das Jüngste Gericht? „Dass die Menschen Angst vor der Hölle haben, bedeutete natürlich einen enormen Machtgewinn für die Kirche“, sagt Maren. Die 28 jahre alte Psychologin lehnt konkret gefüllte Theorien über das Jenseits ab. „Egal ob der Glaube an die Wiedergeburt oder an das Jüngs­ te Gericht oder an ein Paradies, in dem Jungfrauen bereitstehen, um religiöse Märtyrer zu belohnen, das alles führt doch nur dazu, dass die Menschen im Diesseits entweder Angst vor der Hölle haben oder das Leben im Hier und Jetzt gering schätzen“, glaubt sie.

Maren ist überzeugt, dass mit dem Tod alles vorbei ist, und empfindet diesen Gedanken eher befreiend als bedrohlich: „Ich muss in diesem Leben Verantwortung für mein Tun übernehmen. Dabei brauche ich keine Angst vor einer späteren Strafe haben, gleichzeitig wird aber alles irdische Leben unglaublich kostbar, weil es das einzige ist, das wir haben, und wir nichts auf später verschieben können.“

Das heißt für Maren aber nicht, dass nach dem Tod nur das große Nichts kommt: „Ich könnte mir vorstellen, dass der Tod ein Übergang in eine andere Dimension ist, die wir noch nicht kennen. Zu sagen, dass nach dem Tod alles ganz anders ist, heißt doch gleichzeitig, dass man gar nichts darüber sagen kann. Denn alles, was ich sagen könnte, bliebe ja immer noch im Rahmen meiner Vorstellungskraft. Deshalb mag ich auch den Begriff Auferstehung nicht, weil er suggeriert, dass ein verlorener Zustand wieder hergestellt wird. Also in dem Sinne, dass etwas wiederkommt.“ Und sie fügt hinzu: „Vielleicht muss man nicht alles verstehen, vielleicht reicht es ja, wenn man so ein Gefühl hat wie: Alles wird irgendwie gut, und vor dem Tod braucht man keine Angst zu haben.“

Antje Schrupp

Geschichten vom Auferstehen

Was sich mit Argumenten nicht beweisen lässt, davon kann man trotzdem erzählen, findet Georg Magirius. Der Schriftsteller und Theologe, der auch regelmäßig für „Evangelisches Frankfurt“ schreibt, hat in seinem neuen Buch „Geschichten vom Aufstehen, Auferstehen und neuen Leben“ versammelt. Inspirieren lässt er sich dabei von biblischen Texten, die für das Thema Auferstehung wichtig sind – und lädt ein zu Ausflügen aufs Land, zum Träumen vom Himmel, zum Hören auf die eigenen Schwächen und zum Mut zur Naivität. „Evangelisches Frankfurt“ verlost fünf Exemplare des Buches. Wer teilnehmen will, schickt einfach eine Karte, ein Fax oder eine E-Mail (Adressen im Impressum auf der Rückseite). Georg Magirius: Sein wie die Träumenden. Evangelische Verlagsanstalt, 12,80 Euro. Einsendeschluss: 23. April.

Hinweis (Mai 2007): Gewonnen haben Gisela Gabriel, Brigitte Hasch, Marianne Mais, Manfred Müller und Käthe Preisendörfer.

Der Kick, sich neu auf die Zukunft einzulassen

Wenn ein Fußballverein nach einer Serie von Niederlagen endlich wieder einen Sieg feiert, ist das wie eine Auferstehung: Der Kampfgeist ist wieder da, alles scheint möglich.

Für die christliche Gemeinde gibt Jesu Sieg über den Tod den entscheidenden Kick, sich neu auf die Zukunft einzulassen. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu bringt für die, die daran glauben, eine neue Pers­ pektive. Sie sehen in ihr ein sicheres Zeichen für die eigene leibliche Auferstehung nach dem Tod und den Beginn der Verwandlung der Welt: Die Korruption der Schöpfung durch das Böse geht zu Ende, der Tod und die todbringenden Mächte verlieren ihre Dominanz, Gottes Reich des Friedens wird Wirklichkeit, das Paradies kehrt zurück.

Als Wendepunkt der Geschichte begründet Ostern die Hoffnung der christlichen Gemeinde auf Gottes Zuwendung neu. Von ihr werden, fern von duldsamer Weltfremdheit, neue Maßstäbe abgeleitet: Man steht auf gegen Unrecht und Unterdrückung, arbeitet sozusagen auf das Paradies hin, indem man punktuelle Erfahrungen schafft, die etwas von der erhofften Zukunft vorwegnehmen und für andere nachvollziehbar machen. Man setzt auf die Liebe, selbst wenn die Gesetze der Welt – das Recht des Stärkeren, die Herrschaft des Geldes – dem widersprechen und ein anderes Verhalten nahe legen.

Die unterschiedlichen theologischen Ansätze verdichten sich dabei zu folgendem Bild: Die Verwandlung der Welt beginnt zu einem allein von Gott bestimmten Zeitpunkt mit der Wiederkunft Christi. Am Jüngsten Tag müssen sich alle vor Gott verantworten – dazu erstehen die Toten zum Leben. Es geht um Gerechtigkeit: Nichts von allem ist vergessen, was Menschen einander und der Schöpfung angetan haben. Die Frechheit und Ignoranz der Täter behält nicht das letzte Wort. Die Leiden der Opfer werden nicht auf ewig übergangen und bleiben nicht ungesühnt. So erfahren beide Seiten Gerechtigkeit – eine harte, aber zugleich auch tröstliche Vorstellung.

Im Gericht wird sich erweisen, dass einige den Maßstäben Gottes eher gerecht geworden sind als andere. Aber niemand steht ohne jegliche Schuld da. Alle müssen vielmehr an Gottes strengem Gesetz scheitern und hätten die Hölle, also die ewige Trennung von Gott, verdient, wenn es nur nach ihren Taten ginge. Gott schaut aber auch in das Buch des Lebens, in dem diejenigen verzeichnet sind, die durch ihre Taufe und ihren Glauben Gottes Kinder geworden sind. Sie gehen ins Ewige Leben ein, weil sie zu Christus gehören, der am Kreuz für sie die Schuld getragen und ihnen Vergebung erwirkt hat. Nach dem Gericht werden Himmel und Erde verwandelt und neu geschaffen. Der gute Wille des Schöpfers setzt sich durch, der von Anfang an vorgesehene Frieden breitet sich aus – Ewiges Leben in vollen­ deter Gemeinschaft. Ostern ist der Grund dafür, dass Menschen mit dieser Perspektive leben können.

Wilfried Steller

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Harald Sturm schrieb am 1. Mai 2007

    Nach dem Lesen ihres Artikels habe ich zwei Fragen: Wird am Jüngsten Tag nur bestraft? Geht der weniger schlechte, aber ungetaufte Mensch in die Hölle ein (ewige Trennung von Gott), während der schlechtere, aber getaufte Mensch letztlich ins Ewige Leben eingeht? Für mich erscheint das nicht gerade gerecht.

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