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1. Mai 2007

Eine lange und bewegte Tradition

Eschersheimer Landstraße 393 – wer an dieser Adresse öfters vorbeikommt, dem sind vielleicht schon einmal die großen Wandgemälde an der Fassade der französisch-reformierten Gemeinde aufgefallen: bunte Menschengruppen. Einladend wirkt das, und geht man durch das Tor, gelangt man in einen grün bewachsenen Innenhof, von dem aus der Weg in verschiedene Gebäu-
de führt. Eines davon ist der schmucklose Gottesdienstraum, an dem eine reformierte Gemeinde zu erkennen ist: Heilige Räume, Gegenstände oder Personen gibt es nach reformiertem Vertändnis nicht.

!(kasten)2007/05/seite08_unten.jpg(Bei schönem Wetter trifft man sich auch im Hof: Pfarrer Fidele Mushidi Mayoyo – links – liest mit anderen Mitgliedern der französisch-reformierten Gemeinde aus der Bibel. Seit einigen Jahren haben sich Christen und Christinnen, die aus fran­ zösischsprachigen afrikanischen Ländern nach Frankfurt gekommen sind, der Gemeinde angeschlossen. | Foto: Oeser)!

Die Frankfurter französisch-reformierte Gemeinde ist eine Personalkirchengemeinde. Das heißt: Die 300 Gemeindeglieder, Tendenz steigend, wohnen in Frankfurt und Umgebung im Gebiet anderer Orts­ kirchengemeinden, gehören aber durch ihren Bekenntnisstand
hierher. Die Gemeinde steht in der Tradition des Genfer Refor­ mators Johannes Calvin: 1554 von französisch sprechenden Glaubensflüchtlingen gegründet, die ursprünglich aus dem heutigen Belgien über England nach Frankfurt gekommen waren, ist der Mittelpunkt des Gemeindelebens der Gottesdienst, in dessen Zentrum die Predigt steht.

„Ich kann mich in erster Linie theologischen Aufgaben widmen“, erklärt Matthias von Kriegstein, promovierter Theologe und Professor, der seit 1994 Pfarrer der Gemeinde ist. Die Gemein­ deordnung schreibt das so vor: Leitung und Gestaltung des Gemeindelebens ist Aufgabe und Verantwortung der Gemeindemitglieder.

Diakonische Arbeit und Integration ist ein Hauptanliegen der Menschen, deren Ahnen heimatlos waren. Bereits 1977 wurde der dreigruppige integrative Kindergarten der Gemeinde, der Kinder mit und ohne Behinderung aufnahm, gegründet – es war der erste dieser Art in Hessen. 1985 kam dann die integrative Grundschule in gemein­ samer Trägerschaft mit dem Evangelischen Regionalverband dazu. Heute wird diese Arbeit von einer Gemeindestiftung begleitet, die mehr als sechzig Projekte und Einzelpersonen gefördert hat. Kindergarten und Schule nehmen Kinder mit schwersten und Mehrfachbehinderungen auf und integrieren auch HIV-Positive oder an AIDS erkrankte Kinder.

„Für Pfadfinder, Kindergottesdienst und Konfirmationsunterricht brauchen wir viele Mitar­ beitende, denn auch diese sind selbstverständlich integrativ“, sagt Pfarrer von Kriegstein. Und: „Zu einer Gemeinschaft von Menschen gehören alle. Grenzen fallen nicht vom Himmel.“

Seit den letzten Jahren ist eine Zusammen­ arbeit mit Menschen aus dem französischsprechenden Afrika gewachsen, die afrikanischen Christen sind inzwischen auch im Leitungsgremium der Gemeinde vertreten, im Gemeinde­ leben mischen sich Menschen weißer und schwarzer Hautfarbe, deutscher und französischer Sprache. Für Gottesdienste, Seel­ sorge und Beratung in französischer Sprache und allen Lebens­ lagen ist Fidele Mushidi Mayoyo zuständig, ein Pfarrer, der als Flüchtling aus dem Kongo nach Deutschland kam. Er wurde von der Gemeinde als diakonischer Mitarbeiter angestellt: „Der Pfarrer ist Vertrauensperson. Ob Christ oder nicht, man geht eher zum Pfarrer als zu einer Beratungsstelle oder zur Polizei.“ Mushidi selbst wartet seit Jahren auf seine Familie, die derzeit in Ruanda lebt, aber noch keine Einreiseerlaubnis hat.

„Eine Gemeinde, die sich et­was vorgenommen hat“ steht auf der Titelseite des Flyers der französisch-reformierten Gemeinde. Sie hat davon schon viel umgesetzt.

p(autor). Gunda Höppner

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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