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1. Mai 2007

Niedriglöhne nicht schönreden

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Die evangelische Kirche ist in einem Dilemma. Einerseits will man sich für die Armen einsetzen, protestiert gegen soziale Ungerechtigkeit und eine auseinander driftende Schere von Arm und Reich. Andererseits kürzt man den eigenen Beschäftigten die Löhne, und zwar vor allem in den unteren Lohngruppen, bei den Putzfrauen, Hausmeistern, Küchenhelferinnen. Wie passt das zusammen?

Keine Frage: Es passt nicht zusammen. Das hat nun noch einmal die Synode, das hessen-nassauische Kirchenparlament, bekräftigt. Es forderte die Kirchenleitung erneut auf, eine gute Lösung für Härtefälle zu finden, die sich aus der neuen kirchlichen Arbeitsvertragsordnung ergeben. Beim Nachrechnen hat sich nämlich gezeigt, dass die 2005 eingeführten Regelungen konkret für so manche Reinigungskraft bedeuten, dass ihr ohnehin schon mageres Gehalt innerhalb von drei Jahren um mehrere hundert Euro gekürzt wird.

Besonders schwierig ist die Lage in der Diakonie mit ihren Pflegediensten, Krankenhäusern und Altenheimen: Sie finanzieren sich überwiegend nicht aus Kirchensteuern, sondern müssen auf dem Markt konkurrenzfähig sein. Viele dieser Einrichtungen könnten nicht dauerhaft überleben, wenn sie ihre Beschäftigten nicht genauso schlecht bezahlen würden, wie der Rest der Welt. Doch was tun? Wenn jetzt die schlimmsten Härtefälle gemildert werden, ist das zwar besser als nichts, aber das grundlegende Dilemma bleibt: Dass die Kirche sich als Arbeitgeberin (fast) genauso fragwürdig verhalten muss, wie sie es bei anderen kritisiert.

Vielleicht könnte hier die Ethik Dietrich Bonhoeffers helfen. Der hatte sich als Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus mit dem Dilemma herumzuschlagen, dass er Attentate gegen Nazis für notwendig hielt, auch wenn dabei Menschenleben gefährdet wurden. Er entschied sich, es angesichts der Umstände trotzdem zu tun. Aber er beharrte immer darauf, dass sein Handeln nicht wirklich zu rechtfertigen war, dass er damit sündigte.

Auch wenn man beide Situationen natürlich nicht vergleichen kann, so lässt sich doch das ethische Prinzip anwenden. So müsste man redlich prüfen, ob Lohnkürzungen wirklich die einzige Möglichkeit sind – was angesichts unerwartet hoher Kirchensteuereinnahmen ernsthaft zu diskutieren wäre. Und falls tatsächlich an Kürzungen kein Weg vorbei gehen sollte, darf das nicht schöngeredet werden. Man muss sich und anderen ehrlich eingestehen, dass man hier ethisch falsch handelt. Auch wenn die Umstände vielleicht keinen anderen Ausweg lassen.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2007 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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